Recreation: Ein (spät)romantisches Weihnachtsmärchen

Nachdem recreation das Grazer Publikum 2014 mit der „Russischen Weihnacht“ bezaubert hatte, folgte in diesem Jahr ein beschauliches Konzert zur Vorweihnachtszeit unter dem programmatischen Titel „Weihnachtsmärchen“, dem es ob seiner gelungenen Stückauswahl gelang, dem Vorjahre ähnlich betörend zu sein. Unter dem Dirigenten Michael Hofstätter blieb das Große Orchester Graz musikalisch zwar nicht fehlerlos, schaffte es jedoch, gemeinsam mit den stimmungsvollen Kurzauftritten von Mathias Psilinakis  und Sarah Fournier, die große Aufgabe zu meistern, das Publikum am Ende mit besinnlichem Gemüte nach Hause zu entlassen.

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Michael Hofstetter (c) Werner Kmetitsch

Der Abend begann mit Felix Mendelssohn-Bartholdys  Ouvertüre zum Märchen von der schönen Melusine (op. 32), das einst für Conradin Kreutzers Oper Melusine (nach einem Libretto von Franz Grillparzer) komponiert wurde, welches anmutsvoll Stimmung und Ausdrucksfülle des „Volksmärchens“ vorwegnimmt und auch an diesem Abend erhaben in das noch kommende (wenn schon nicht in die Oper) führte. Als durchweg hinreißendes (und romantisches) Gesamtkunstwerk war die Ouvertüre aber nicht bloß Eröffnung, sondern auch erster musikalischer Höhepunkt.

Es folgte die Suite aus Engelbert Humperdincks Oper Hänsel und Gretel, die – vermutlich aufgrund des großenteils fehlenden Gesangs – durchaus weihnachtlich stimmte. Als Besonderheit betraten die 11 bzw. 12 Jahre alten Soprane Sarah Fournier und Mathias Psilinakis  für den allbekannten Abendsegen den Saal und meisterten kindlich-anmutig  ihr „Abends, will ich schlafen gehen, Vierzehn Engel um mich stehn“, das als Zugabe noch vor der Pause zu großem Applaus gemeinsam mit dem Orchester wiederholt wurde.

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(c) Werner Kmetitsch

Bereits in der Pause durfte man sich auf Tschaikowskys Schwanensee-Suite freuen, die in der zweiten Hälfte mit spürbarer Hingabe vorgetragen wurde. Leider war die Interpretation phasenweise etwas zu hektisch – selbst ruhige Passagen wurden regelrecht durchgepeitscht – was vor allem bei der Mazurka und dem Finale ins Gewicht fiel. Nichtsdestotrotz schaffte es jenes Tschaikowsky-Meisterwerk, seinen Zauber unwillkürlich zu versprühen und beendete wild und ungezügelt (mit dem Allegro agitato) ein Konzert, dessen Zugabe (nochmals der Schluss des Finales) zwar unnötig war, die aber selbstredend nichts mehr daran ändern konnte, dass der Abend als Ganzes gelungen und stimmungsvoll war und somit seinen Zweck bravourös erfüllen durfte.

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