STYRIARTE: Aus dem Süden

Ein musikalischer Höhenflug in die barocke Musiktradition des Mittelmeerraumes

Der gebürtige Norweger Rolf Lislevand – Gitarren- und Lautensolist, Ensembleleiter und international gefragter Dozent – fesselte durch Virtuosität, Temperament und emotionaler Ausdrucksstärke das Publikum im Ambiente des Meerscheinschlössls. Die Kontraststärke dieses STYRIARTE-Abends zeigte sich bereits zu Beginn an den zwei verwendeten Instrumenten: die schlichte Barockgitarre und die pompöse Theorbe („Basslaute“). Lislevand lernte die hohe Kunst des Lautenspiels bei keinem Geringeren als Hopkinson Smith, unumstößlicher Lautenmeister unserer Zeit, und kann diesem in Musikalität und Technik ohne Weiteres das Wasser reichen.

Die an diesem Abend präsentierte Musik stand ganz im Zeichen des sog. „Chiaroscuro“ (zu Deutsch: „Helldunkel“), d.h. eines Wechselspiels von dunklen und hellen Tönen, von Moll- und Durakkorden, von überraschendem sforzato und einfühlsamem pianissimo. Auch wurden zwei entgegengesetzte Techniken – wildes Schlagen und zartes Arpeggiato – in beinahe jedem Stück miteinander kombiniert. Das Ergebnis ist ein kontrast- und abwechslungsreiches Klangmuster, das den Zuhörer und die Zuhörerin auf musikalische Höhenflüge entführt. So hörte man eine Zuhörerin ihrer Begleitung zuflüstern: „Es schien mir, als läge ich am Strand und hörte das Rauschen des Meeres.“

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(c) Franziska Pfeffer

Aus musikhistorischer Sicht sei anzumerken, dass sich der musikaffine Ludwig XIV. etwa bei Spaziergängen oder bei der abendlichen Schlafzeremonie von Theorbenmusik umgeben ließ. Dementsprechend gilt die Theorbe als „das Instrument des Sonnenkönigs“. Interessant ist weiters der hohe Improvisationscharakter, den die im dritten Programmteil repräsentierten Komponisten – etwa Antonio de Santa Cruz – pflegten. Viele waren Teil einer musikalischen Avantgarde-Bewegung des frühen 17. Jahrhunderts, die einen neuen, experimentellen Stil hervorbrachte. Diese ungewöhnlichen Züge – allen voran in Antonio Carbonchis suggestiver „Scaramanzia“ – klingen selbst für das moderne Ohr „neu“.

Das in sich stimmige Programm öffnete und schloss sich gekonnt mit den einprägsamen Stücken „Paradetas“ und „Canarios“ von Gaspar Sanz, die in Tempo und Stimmung einen Bogen über den Abend spannten. Die Zugabe – die als „königliches Schlaflied“ bezeichnete „Chaconne“ von Robert de Visée – hätte sich nicht nahtloser einfügen können.

Für nähere Informationen zur STYRIARTE und Rolf Lislevand siehe hier.

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