Benefiz oder 10 € für den Hauptwaschgang

Eva, Christine, Leo, Rainer und Eckhard treffen sich zur Probe für ein Benefizprojekt für Afrika und stoßen an ihre persönlichen Grenzen. Was heiter und chaotisch mit einem gemeinsamen Ziel beginnt, zeigt im Laufe der Handlung verschiedenste Intentionen für die bevorstehende Veranstaltung und endet für ProtagonistInnen und Publikum gleichsam mit einem ernüchternden Blick in den eigenen, gesellschaftspolitischen Spiegel.

(c) Lupi Spuma

Im Redoutensaal des Schauspielhauses Graz wird unter der Regie von Mathias Schönsee viel philosophiert, gestichelt und vor allem geprobt um den perfekten Spendenaufruf zu gestalten. Die DarstellerInnen bestechen durch ein glaubhaftes Aufgehen in ihren Rollen – allen voran Gerhard Balluch als älterer, den christlichen Werten verbundener Eckhard. Balluch charakterisiert ihn würdevoll, mitunter zweifelnd und endet seine Darstellung in einer großartigen Wutrede über Wertigkeit. Daniel Doujenis spielt den in der Midlife-Crisis steckenden Rainer herrlich selbstverliebt, zeigt aber deutlich, wie Probleme einer wertgeleiteten Erziehung zu einem Konflikt zwischen`Nichtwollen aber doch irgendwie Müssen` führt. Warum er eigentlich hier ist, weiß er selbst nicht so genau. Ganz im Gegensatz zu Eva, sie möchte am liebsten alles auf der Welt zum Besseren ändern und findet alles „ganz schlimm“. Hämisch würde man sie momentan wohl als `Gutmensch` bezeichnen – Susanne Konstanze Weber spielt sie so schön weltverbessernd, dass man sie im einen Moment für ihr Engagement liebt und kurz darauf schon wieder satthat. Leo (Gideon Maoz) ist mit Freude bei der Sache, er findet alles toll und ist immer bereit die Wogen zwischen den anderen zu glätten. Er schafft es auch immer wieder das Ego von Christine (Veronika Glatzner) zu streicheln, die das „Ganze hier“ möglichst schnell, pragmatisch und professionell hinter sich bringen möchte. Als Primadonna zelebriert sie ihren emotionalen Moment ausschweifend und die dabei entstehende Tragikomik ist bezeichnend für das Stück.

Von Gewissensberuhigung über den Spaß oder eigene Profilierung bis zum Ausdruck eigener Überzeugungen und anerzogener Werte – unzähligen Motiven wird Raum gegeben. Der Begriff des Wertes steht im Fokus; Wertschätzung, Wertigkeit oder Wertung von Menschen sind der Dreh- und Angelpunkte des Stücks, selbst in den kleinsten Sticheleien rund um große Eitelkeiten. Und spätestens wenn Rainer Vergleiche über Spenden, Cocktails und Waschvorgänge zieht und die ambivalente Großzügigkeit unserer Gesellschaft ausweidet, fühlt sich auch im Publikum jede/r angesprochen. Die edle Uneigennützigkeit des Spendens bekommt einen mehr als bitteren Beigeschmack und jede/r muss für sich entscheiden, welche persönliche Motivation dahintersteckt.

PS:

Die Spendenbox nach Ende der Vorstellung füllte sich rasch. Aus welchen Gründen auch immer… 😉

 

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