Generationenkonflikt deluxe: Vater, Kind und die Frage nach der richtigen Partnerwahl

Die Inszenierung von Giuseppe Verdis Luisa Miller durch Paul Esterhazy und unter der musikalischen Leitung von Robin Engelen stellt den Generationenkonflikt von Vater und Kind um die Wahl des passenden Partners*der passenden Partnerin in den Vordergrund. Die unausweichliche Tragödie die diese paternalistischen Vaterliebe in Kombination mit den Machenschaften des Intriganten Wurm für das Liebespaar Luisa und Rodolfo nach sich zieht, dürfen die Zuseher*innen unter den Klängen epochaler Musik und ebenso grandiosen Gesang der Darsteller*innen in der Oper Graz miterleben.

Für Luisa Miller wurde Giuseppe Verdi von Friedrich Schillers Kabale und Liebe inspiriert. Die Handlung des Dramas rund um die nicht-standesgemäße Liebe zwischen dem adligen Rodolfo und der bürgerlichen Luisa, der sich die Väter der beiden in den Weg stellen, ist bekannt: Während der Vater Rodolofos, Graf Walter, schon die Heirat seinen Sohnes mit der mächtigen Herzogin Federica von Ostheim geplant hat, fürchtet der Vater von Luisa, dass Rodolfos Avancen nicht ernst gemeint sind und nur das Ziel haben, seine geliebte Luisa zu verführen. In diesem Glauben wird er noch durch den Intriganten Wurm bestärkt, der selbst ein Auge auf Luisa geworfen hat. Nach Der Jungfrau von Orleans und Die Räuber ist Kabale und Liebe die dritte Bearbeitung eines Textes von Schiller durch Verdi. Fun Fact: Da der zur damaligen Zeit Regierende in Neapel gleich wie die männliche Hauptfigur in Kabale und Liebe – Ferdinand – hieß, musste Verdi auf einen anderen Namen – also Rodolfo – zurückgreifen, um einen Konflikt mit den Machthabenden zu vermeiden.

Verdis Stück wurde erstmals am 1849 in Neapel aufgeführt, fand aber erst 2015 den Weg in die Oper Graz. Die Intentandin des Hauses, Nora Schmid, die sich im Rahmen ihrer 1. Saison an der Oper Graz, auch intensiv mit der Geschichte des Hauses auseinandergesetzt hat, stellte fest, dass Luisa Miller bisher auf dem Spielplan gefehlt hatte, was mit ein Grund war, dass Luisa Miller für die Sasion 2015/16 ausgewählt wurde – ein Glück, denn die Symbiose von Modernität und Tradition lässt den Opernabend für das Publikum sehr kurzweilig werden.

Parallelität der Familienstrukturen – Parallelität der Räume

Esterhazy stellt die Auseinandersetzung zwischen den beiden Vätern und ihren Kindern in den Vordergrund. Dass sich die paternalistischen Familienstrukturen und Handlungsweisen, unabhängig vom Stand, sehr ähneln, spiegelt sich auch im Bühnenbild (siehe nachfolgende Abbildungen) wider: Die beiden Räume – auf der einen Seite der kleine, karg beleuchtete Raum der bürgerlichen Pastorenfamilie Miller, auf der anderen Seite der pompöse Raum des Grafen Walter – weisen den gleichen Aufbau auf: In beiden befindet sich ein Kamin mit dazugehörigem Ohrensessel auf der einen Seite, auf der anderen Seite befindet sich jeweils ein Spiegel sowie ein Hinweis auf den jeweiligen ‚Götzen‘, den das Familienoberhaupt anbetet: Beim Pastoren Miller ist dies ein Betstuhl samt darüberhängenden Kreuz, beim Adligen ist es eine eingerahmte Goldmünze mit darunter befindlichem Tresor.

Luisa Miller

Oper Graz (c) Werner Kmetitsch

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Oper Graz (c) Werner Kmetitsch

Der Wurm im Stück

Am prägnatesten in Erinnerung bleibt Wurm, der in der Grazer Inszenierung als skurille Figur auf der Bühne erscheint. Für die Umsetzung der Figur auf diese Weise ließ sich Esterhazy von den Romanfiguren von Charles Dickens inspirieren. So kriecht und fleucht Wurm – entsprechend seinen Namen – über die Bühne. Er ist überall und zugleich nirgends. Verschwindet und taucht an unerwarteter Stelle wieder auf, um zu beeinflussen, die Figuren in Gedanken oder real zu quälen. Zu Beginn als auch am Ende der Aufführung erscheint er kopfüber aus der Decke – symptomatisch dafür, dass er die Welt der Figuren mit seinen Machenschaften Kopf stehen und die Zuseher*innen begeistert zurücklassen wird.

Luisa Miller

Oper Graz (c) Werner Kmetitsch

Weiterführende Informationen zum Stück

Die nächste Vorstellung findet am Mittwoch, 20. Jänner 2016 statt. Der Trailer des Stückes liefert fragmenthafte Impressionen, die Lust auf mehr erwecken:

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