Trümmerfrauen, Bombenstimmung

Im Schauspielhaus Graz geht’s rund : „Ein musikalischer Theaterabend von Sandy Lopičić“ in der Uraufführung

Ein etwas heruntergekommenes und chaotisches Wohnzimmer, gefüllt mit allerlei Musikinstrumenten. Eine ältere Dame mit Schürze, die wie die eigene Großmutter/Großtante/Nachbarin aussieht und den in den Saal eintrudelnden Zuschauern wirre Rezepte bzw. Haushaltstipps  vorliest. Noch ahnt man nicht, was der Abend bereit hält…

truemmerfrauen-bombenstimmung-ensemble-c-lupi-spuma_hp_009(c) Lupi Suma

Neun Personen singen und musizieren quer durch die musikalische Bank und durch die Erinnerungen eines „durchlebten“ Lebens. Das Ergebnis ist eine Ode an die Vergänglichkeit, an das Ausbrechen aus dem Alltäglichen und an den Facettenreichtum im Unscheinbaren. Ja, auch eine alte Dame mit Schürze kann es – Bombenstimmung ! – krachen lassen!

Die Musik wirkt dabei als Bindeglied zwischen den Gegensätzen der menschlichen Existenz: Krieg vs. Frieden, Mann vs. Frau, Tod vs. Geburt, Zerstörung vs. Erschaffung. Die musikalische Bandbreite des Abends ist erstaunlich groß: von deutschsprachigen Chansons, Schlagern und Popnummern (etwa „Goodbye Johnny“, „Mensch“, „Bei mir bist du schein“) über französische Jazzpopchansons („Je veux“ von ZAZ) und Chopin-Walzer bis hin zu weniger bekannten Stücken (z.B. „Missed Me“ von The Dresden Dolls) ist für jeden Geschmack etwas dabei. Außerdem staunt man nicht schlecht, welch skurille Liedertexte es in der Tat gibt und wo sich überall Musikinstrumente verstecken! Die neun DarstellerInnen entpuppen sich zudem als hoch talentierte und vielseitge Multiinstrumentalisten und SängerInnen.

Der Begriff des Theaters ist bekanntlich weit, und Sandy Lopičić – seines Zeichens nicht nur Regisseur und Schauspieler, sondern auch und vor allem Musiker mit Leib und Seele – wollte offensichtlich nicht der konventionellen Erwartungshaltung des Publikums entsprechen. Die Inszenierung und Darbietung des abwechslungsreichen Musikprogramms ist jedenfalls unterhaltsam und überrascht immer wieder aufs Neue.

truemmerfrauen-bombenstimmung-helmut-stippich-silvana-veit-clemens-maria-riegler-sasenko-prolic-c-lupi-spuma_hp2_033(c) Lupi Suma

„Trümmerfrauen, Bombenstimmung“ ist also in erster Linie als Hommage an die Musik zu sehen. Dass der rote (narrative) Faden des Stücks im etwas zusammenhanglosen musikalischen Potpourri zum Teil unterzugehen bzw. zu „zertrümmern“ droht, hat dem Publikum wohl keineswegs gestört – von euphorischem Beifall gewürdigt gab das Ensemble gemeinsam mit Lopičić (am Klavier) zum Abschluss ein kurzes Medley zum Besten – ein der Rezensentin nicht bekanntes Stück von Hubert von Goisern und „Heroes“ von David Bowie (R.I.P.).

We can be Heroes, just for one day.

Nähere Informationen zu Terminen und Besetzung siehe hier

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