Kreise / Visionen im Schauspielhaus

Im Schauspielhaus ziehen Visionen ihre Kreise. Zeitlich losgelöst und nur scheinbar unabhängig von einander werden die großen Fragen gestellt. Für was lohnt es sich zu kämpfen? Die Liebe? Die Ideale? Das Vaterland? Oder lediglich für seinen Platz im Sytem?

Dominique Schnizer präsentiert uns acht Geschichten aus der Feder Joël Pommerats, welche sich erkennbar über verschiedene Jahrhunderte ziehen. Ob nun eine scheinbar heile Aristokratenfamilie, in der die Rollenmuster aufgebrochen werden und von der Leibeigenschaft abgekehrt wird, während der Hausherr intrigant dem männlichen Dienstpersonal den Hof macht oder aber von einem durch Gotteszweifel geplagten Ritter. Ob nun von Pärchen, die für den Drogenrausch in den Wald verschwunden sind und sich verirrt haben oder aber von einem zweifeld abergläubigen Angestellten im Management, der sich durch Prophezeiungen einer Prostituierten im Unternehmen „hocharbeitet“. Dazu ein erfolgreicher Manager, der Langzeitarbeitslosen Kurse für ein gesteigertes Selbstbewusstsein in Bewerbungsgesprächen bietet, selbst aber in totaler Verzweifelung lebt, da sein Sohn unheilbar krank ist und scheinbar nur mehr durch eine Organtrasplantation zu retten ist.

Franz Solar & Benedikt Greiner (c) Lupi Spuma

Franz Solar & Benedikt Greiner (c) Lupi Spuma

Der großartige Franz Solar gibt nicht nur diesen Manager, der mit Obdachlosen verhandelt um seinem Sohn das gewünschte Organ zu erkaufen und dabei von diesen Humanismus fordert, da sie immer wieder die finanziellen Forderungen erhöhen, sondern auch den hinterhältigen Aristokraten, der an seinen Angestellten heran möchte und dafür sogar dessen Ehe ruiniert, indem er desenn Frau ein eigenständiges Leben finanziert.

Benedikt Greiner und Das Unendlichkeitsspiel (c) Lupi Spuma

Benedikt Greiner und Das Unendlichkeitsspiel (c) Lupi Spuma

Als ob die einzelnen Geschichten nicht verwirrend genug durcheinander gewibelt werden, wird das Stück im gesamten durch den moderierenden Benedikt Greiner als Show verkauft in der Das Unendlichkeitsspiel gespielt wird. Ein Spiel, in dem es um große Sehnsüchte und das Begehren als solches geht. Unterstützt wird Greiner dabei von einer monströsen Discokugel, dem roten Samtvorhang, einer wunderbaren Cellistin, welche den Abend grandios untermalt und einer durch Christin Treunert unglaublich gut in Szene gesetzter Kostümierung und Drehbühne. Allein die unfassbar schnellen Umbauten der Bühne und die dazu wechselnden Kostüme der Schauspieler haben ein Sonderlob verdient und bis zum Ende des Stückes auf ein Neues überrascht.

Kreise/Visionen ist am 27.2. ein letztes Mal zu erleben. Erwarten Sie keine Antworten. Fragen Sie sich selbst. Letztendlich zählt nur eines:

Es ist egal, was du bist
Hauptsache ist
es macht dich glücklich

(Benedikt Greiner bringt Farin Urlaubs Glücklich auf die Bühne)

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