Prinicpia Mathematica: Wie du mir, so ich dir

Katie ist ein Teenager in einer Vorstadt von London mit einem älteren Freund. Katie denkt zuviel nach. Soweit so austauschbar. Aber: Katie handelt auch nach mathematischen Prinzipien, weil solange solange auf eine ungerechte Handlung eine rächende Handlung zum Ausgleich erfolgt, stimmt die Gleichung. Katie bekommt den abfälligen Spitznamen BUNNY von einem Freund ihres Freundes. Und BUNNY heißt das Stück im HAUS ZWEI des Schauspielhauses Graz, in dem die herausragende Schauspielerin Henriette Blumenau das Mädchen aus London in Graz zum Leben erweckt.

Der Inhalt des einstündigen Monologes BUNNY, einem Stück des britischen Autors Jack Thorne, der unter anderem durch Drehbücher zu den Fernsehserien ‚Skins‘ oder ‚This is England‘ bekannt geworden ist, ist schnell erzählt: Katie wird von ihrem viel älteren Freund Abe von der Schule abgeholt. Auf dem Heimweg gerät Abe in Streit mit einem anderem jungen Mann. Abes Freund Asif kommt zufällig mit seinen Auto des Weges und sie beschließen, den Jungen zu verfolgen. Und Katie ist mittendrin im Geschehen. Und fühlt sich dann wohl mehr von Asif als von ihrem Freund an- bzw. ausgezogen. Neben dieser Haupthandlung reflektiert Katie über ihr Leben – schildert ihre Stellung in ihrem Freundeskreis, Konflikte mit den Eltern, ihre Einstellung zu Sex – Blowjobs sind voll in Ordnung, die zählen ja nicht -, ihr Gleichungssystem: Wer ihr Unrecht tut, darf schon einmal mit zerkratztem Lack am Auto oder gestohlenen Portemonaie rechnen.

Zwischen Klischee und Individualität

Henriette Blumenau als Katie/Bunny betritt die Bühne in biederer Schuluniform mit zwei Pferdeschwänzen. Katie ist Klarinettenspielerin, die nach der Orchesterprobe von ihrem Freund Abe von der Schule abgeholt wird. Einzig die weißen Docs als mittlerweile konventionelles Symbol für Unkonventionalität weisen daraufhin, dass es sich bei Katie nicht um ein braves Schulmädchen der Mittelschicht handelt.

Henriette Blumenau (c) Annette Boutellier

Henriette Blumenau (c) Annette Boutellier

Dass sich die Figur Katie auf der Bühne so entfalten kann und nicht im Schulmädchen-auf-Abwegen-Klischee versinkt, liegt zum einen am Text von Jack Thorne, der neben den Erfahrungen eines Teenagers den Schwerpunkt auf die verschiedenen sozialen Schichten Londons legt. Dadurch, dass er die unterschiedlichen Welten des Fabriksarbeiters Asif, des White-Collar-Workers Abe aus den Augen der aus der Mittelschicht stammenden Katie schildert, die die Erlebnisse nur subjektiv für sich wertet, bekommt das Stück seinen Reiz: Die Lebenswelten entfalten sich auf der Bühne, ohne dass eine moralisierende Sichtweise eingenommen oder eine bestimmte Deutung vorgenommen wird. Zum anderen liegt es auch an der schauspielerischen Leistung von Henriette Blumenau, die die verschiedenen emotionalen Facetten von Katie glaubhaft vermittelt. Das Schwanken zwischen Momenten des Glückes, der Wut, des Schams und die teils sehr reflektierten, teils sehr überzogenen, dramatischen Ansichten der Jugendlichen werden durch Blumenau auf der Bühne zum Leben erweckt, sodass sich die Zuseher*innen gänzlich in der Welt Katies wiederfinden und zwischendurch – durch die direkte Ansprache des Publikums durch die Figur – auch ein Teil dieser werden.

Der Soundtrack des Stückes: Jump around, jump up and get down

Während Filme häufiger mit einem bestimmten Song assoziiert werden, ja fast mit diesem verschmelzen, passiert das bei Theaterstücken wohl seltener. BUNNY ist nicht nur, aber auch darauf bezogen, eine Ausnahme im positiven Sinn: Jump around von House of Pain untermalt nicht nur den Trailer, sondern durchzieht subtil das gesamte Stück, taktet, gibt den Rhythmus vor, ist bedeutend für den ersten gemeinsamen Moment von Asif und Katie: Während sie zu viert im Auto herumcruisen, wird im Radio Jump around gespielt. Nicht nur ist Katie davon begeistert, dass Asif den Text mitsingen kann, sondern auch davon, dass er mitmacht, als sie beginnt, sich zum Rhythmus des Songs im Auto zu bewegen. Das Lied untermalt dadurch auch den Augenblick, in dem Katie von sich sagt, sie sei gerade glücklich.

Und was würde Katie noch sagen? Ein Spruch, der wohl als typisch für die Adoleszenzzeit gilt, aber dennoch auch darüber hinaus auf unpassende Weise passend bleibt und in Summe wohl ein Kerngedanke des Stückes ist:

Ich passe nur unpassend. Ich passe nirgendwo. Aber das ist nichts Schlimmes. Ist eben so.

Weitere Informationen zum Stück

Nicht nur der Trailer auch der Besuch des Stückes ist sehr empfehlenswert:

BUNNY ist noch am 23. Februar wie am 09. März im HAUS ZWEI zu erleben. Bis dahin: Jump around.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s