Elisabeth Kulman – frauen.leben.liebe

Kulmans Gesangeskunst wurde als Mischung aus „kostbarem, farbintensivem Timbre sowie ihrer charismatischen Bühnenpersönlichkeit und musikalischer Vielseitigkeit“ angekündigt. Zu viel versprochen wurde nicht. Kostbar und farbintensiv ist Kulmanns Stimme in der Tat, und dass die 42-jährige Mezzosopranistin auf der Konzertbühne eine eindrucksvolle Erscheinung gibt, ist hinlänglich bekannt. Musikalische Vielseitigkeit allerdings bekam das Publikum des Grazer Musikvereins vergangenen Donnerstag erst im Zuge einer dreifachen Liszt-Zugabe geboten. Diese umfasste die Vertonung des berühmten Lenau-Gedichts „Die drei Zigeuner“ sowie zwei fremdsprachige Textvertonungen namens „Enfant, si j’étais roi“ sowie „Go not, happy day“. Im Rahmen dieser Zugabe konnte Kulman jener Beschwingtheit freien Lauf lassen, auf die sie im Hauptprogramm aus dramaturgischen Gründen verzichten musste.

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(c) Marija Kanizaj

Das Programm bestand aus beängstigend stillen, oftmals von tiefer Melancholie getragenen Liedern der Komponisten Schubert, Schumann, Liszt, Wagner. Der Abend stand unter dem Titel „frauen.leben.liebe“, was einerseits eine Anspielung auf Robert Schumanns gleichnamigen Liederzyklus („Frauenliebe und -leben“) darstellt, andererseits die drei großen Themen des Repertoires benennen soll, eben Frauen, Leben und Liebe. Umso konsequenter jedoch das Konzept des Programmes verfolgt worden ist, desto unreflektierter behandelte man Form und Aufbau des Konzertabends. Nach einem roten Faden suchte man vergebens. So wurden Lieder aus Schumanns „Frauenliebe und -leben“ in loser Reihenfolge und mit Unterbrechungen anderer Lieder dargeboten. Dies erwies sich als dramaturgischer Fehlgriff, da der verwirrende Aufbau des Programms das ursprüngliche Konzept zunehmend in den Hintergrund rückte. Fraglich scheint auch, weshalb Schumanns Zyklus nach Chamisso in den vergangenen Jahren eine zunehmend kritische Rezeption erfährt. So auch von Kulman, die dem Werk „lange Zeit skeptisch gegenüberstand – stellt sich doch die Frage, ob ein Mann derart intime Gefühle einer Frau überhaupt treffend verbalisieren könne.“ Zwar ist es richtig, dass die Texte des Zyklus Schwächen aufweisen, doch sind diese mehr literarischer als inhaltlicher Natur. Wer geschlechtspolitisch argumentiert, hat nicht begriffen, dass Ergebenheit und Abhängigkeit Bestandteile der Liebe sind. Warum also sollte eine Frau nicht ergeben und abhängig lieben dürfen?

Wer aber Wagners Wesendonck-Lieder („Schmerzen“ und „Träume“) mit solch wehmütiger Eleganz oder Schuberts Wiegenlied mit solch besänftigender Zartheit zu interpretieren weiß, dem sei jeder misslungene Programmaufbau mit Handkuss verziehen.

Wie meine Vorrezensentin bereits anmerkte, fiel Eduard Kutrowatzs Spiel angenehm auf, da es sich – dem Wesen der Liedauswahl angemessen – zurückhaltend und doch wohlwollend-expressiv zeigte.

Weitere Termine des Grazer Musikvereins finden sich auf dessen Homepage: http://www.musikverein-graz.at

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