Métro Boulot Dodo*

Am 4. Februar 2016 ging im Schauspielhaus Graz die Eröffnungsfeier des Internationalen Jugendtheaterfestivals „spleen“ über die Bretter, die bekanntlich die Welt bedeuten. Im Mittelpunkt des Abends stand das belgische Künstlerkollektiv ,,Nevski Prospekt“ mit der Produktion ,,Tramway,Trott und Tiefkühlfisch“. Ein Stück über die tägliche Eintönigkeit, innere Bewegung und das Vergnügen, den Alltag ein kleines Stück aufzubrechen.

Wenn man bei Google nach der Phrase ,, aus dem Alltag ausbrechen“ sucht, erhält man binnen einem Bruchteil einer Sekunde rund 153.000 Ergebnisse. Die Suchanzeige ist gefüllt mit Denkanstößen, um ausgetretene Pfade zu verlassen oder wenigstens ein bisschen Abwechslung in Einfallslosigkeit zu bringen. Was die einen verzweifelt suchen, fällt den anderen in den Schoß. Wie zum Beispiel Herr Hermann, dem Hauptcharakter von ,,Tramway,Trott und Tiefkühlfisch“. Mehr durch Zufall, als durch eigene Antriebskraft, wird er aus seiner Routine, die hauptsächlich aus dem Weg zur Arbeit, einem langweiligen Bürojob und dem Schlafengehen besteht, herausgerissen. Ab sofort gibt es kein Halten mehr und das Leben von Herr Hermann und seinen Arbeitskollegen wird ordentlich auf den Kopf gestellt.

Slapstick trifft auf Büroballet

Im Grunde genommen ist die Geschichte ganz schnell erzählt, denn was es bedeutet im immerwährenden Trott festzuhängen, ist jedem von uns ein Begriff. Das Bühnenstück selbst kommt nur mit wenigen Worten aus, vielmehr ist es die Bewegungssprache der Darsteller, die die Bühne ausfüllt. Bloße Tanzeinlagen sucht man hier jedoch vergebens, denn das Stück kommt gespickt mit altbewährter Situationskomik um die Ecke. Und spätestens wenn Herr Hermann seine zuverlässige Alltagsroutine über Bord wirft, mit alten Gewohnheiten aufräumt und alles um ihn herum in Chaos versinkt, bleibt kein Auge mehr trocken.

Abschließend bleibt nur noch zu sagen, dass obwohl Tramway,Trott und Tiefkühlfisch im Rahmen des „spleen“ Festivals für jüngeres Publikum aufgeführt wurde, die Produktion durchaus auch für erprobte Theatergeher empfehlenswert ist, da die Thematik Flucht aus dem eigenen Alltag,  Jung und Alt gleichermaßen betrifft, beschäftigt und zugleich berührt.

(c) TimDeBacker

(c) Tim DeBacker*

 

*Der Originaltitel „Métro Boulot Dodo“ ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für einen monotonen Tagesablauf, der überwiegend aus dem Weg zur Arbeit (Métro), einem langweiligen Job (Boulot) und Schlafen (Dodo) besteht.

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