Der Opernball als Fetischspektakel

Regisseur Bernd Mottl holt den Operettenklassiker mittels einiger Modernisierungen ins 21. Jahrhundert

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(c) Werner Kmetitsch

Erst am Vortag tanzte die Hautevolee am Wiener Opernball, am Tag darauf wurde man in der Oper Graz nach Paris entführt, wo eine nicht minder illustre Gesellschaft am dortigen Opernball auftanzte.

Im Gegensatz zu den beiden Verfilmungen von 1939 und 1956, die beide in Wien spielen, ist Richard Heubergers Operette in der Stadt der Liebe angesiedelt. Entsprechend amourös geht es deshalb zu. Die Handlung ist um zwei Ehepaare aus Paris und Orléans angesiedelt. Der Pariser Georges Duménil ist notorischer Fremdgeher, der seine Ausflüge auf den Opernball stehts unter dem Deckmantel einer Geschäftsreise begeht. Seine Frau Marguérite ist ihm jedoch längst auf die Schliche gekommen. Das Paar aus Orléans, Angéle, gläubige Katholikin, und Paul, braver Gatte, sind zu Besuch beim Pariser Ehepaar. Bald kommt Paul auf den Geschmack, möchte auch ein so aufregendes Liebesleben wie Georges haben. Angéle ist aber weiterhin der Meinung, dass ihr Ehemann ihr niemals fremdgehen würde. Es kommt zu einer Wette zwischen den beiden Ehefrauen. Beide schicken ihren Ehemännern anonyme Einladungen auf den Opernball. Und schon bald befinden sie sich alle auf besagtem Event. Die zwei Ehepaare, die Kammerzofe Hortense, sehr sympathisch gespielt von Sieglinde Feldhofer, der lüsterne Onkel und der junge Henri. Nach etlichen Verwechslungen weiß am nächsten Morgen niemand mehr, wem er auf dem Opernball näher gekommen ist.

Schön ist, wie Bühne und Kostüme das Geschehen reflektieren. Das zivilisierte 19. Jahrhundert prägt Bühnenbild und Kostüme des ersten Akts. Man merkt: hier ist noch alles so, wie es sein sollte. Am Opernball angelangt verwandelt sich das Opernhaus in eine Fetischwelt ohne Hemmungen. Rote Fließen und Latexanzüge prägen das Bild. Am nächsten Morgen dann die nüchterne Wahrheit: Sämtlicher Prunk ist von der Bühne gewichen. Und auch die Darstellerinnen und Darsteller sind aus ihren edlen Roben und engen Latexanzügen geschlüpft und tragen nun moderne Alltagskleidung.

Alles in allem ist „Der Opernball“ eine amüsante Verwechslungskomödie, die durch witzige Neuerungen aufgepeppt wird.

Die nächste Vorstellung findet am 11. Februar statt.
Den Trailer findet ihr hier: https://www.youtube.com/watch?v=oEyfPqVUSas

 

 

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