Goethes „Faust“ für Jugendliche interessant machen? – Challenge accepted.

Besonders für junges Publikum stellt Goethes „Faust“ häufig einen besonders harten Brocken dar, mit dem wohl jede/r in ihrer/seiner Schullaufbahn konfrontiert wird. Dabei Begeisterung in den Schülerinnen und Schülern zu erzeugen, stellt für uns Deutschlehrer/innen eine große Herausforderung dar.

Das Next Liberty hat diese Herausforderung mit der Inszenierung von Nikolaus Habjan mutig angenommen – diesen Samstag wurde Premiere gefeiert.

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Gretchen (Alice Peterhans) und Faust (Klaus Huhle) im Garten; Bühnenbild von Jakob Brossmann – (c) Lupi Spuma

Ausnahmetalent Habjan schafft es, das Stück relativ kurz zu fassen, lässt aber keine der wesentlichen Inhalte oder Wendungen aus und erzeugt durch viel Witz, ein paar Spezialeffekte und ein gut durchdachtes sowie äußerst kreatives Bühnenbild (Jakob Brossmann) einen abwechslungsreichen Puppentheatermoment. Obwohl der Beginn des Stücks etwas langwierig ist, setzen recht bald schon die ersten Überraschungsmomente ein, so wird beispielsweise die Walpurgisnacht zu einem rauschenden Techno-Rave und Mephisto (Manuela Linshalm) selbst zum eigentlichen Regisseur des Stücks, der nicht nur indirekt im Hintergrund die Fäden zieht, sondern seinen Schauspielkolleg/innen auf sehr amüsante Art und Weise bei (vorgeblichen) Texthängern weiterhilft oder wie ein Dirigent das Handeln der Figuren anleitet. Nachdem Faust (Klaus Huhle) „Helenen in jedem Weibe sieht“ und mit den Damen im Zuschauerraum geflirtet hat, wird Gretchen (Alice Peterhans) direkt aus dem Publikum gefischt und auch die liebe Marthe (Helmut Pucher) erzeugt einen Lacher nach dem anderen, obwohl sie vorerst scheinbar vergessen wurde und erst durch den amüsanten Protest aus dem Publikum ins Stück integriert wird.

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Die Walpurgisnacht (c) Lupi Spuma

Aus Aufführungen wie „Das Missverständnis“ oder „F. Zawrel – Erbbiologisch und sozial minderwertig“ kennt man bereits die großartigen Puppen des Puppenbauers und –spielers Nikolaus Habjan, die auch in Goethes „Faust – Der Tragödie erster Teil“ zum Einsatz kommen. Anfangs ist man als Zuseher/in noch leicht irritiert ob der Schauspieler, die sich offensichtlich hinter den Puppen verstecken. Nach einiger Zeit verschmelzen diese aber vollkommen miteinander und man nimmt nur noch die Puppen selbst wahr, die so lebendig werden und sich durch ihre fließenden und lebensechten Bewegungen perfekt in das Stück einfügen, wodurch sie die einander entgegengesetzten Welten – das Irdische und das Überirdische – auf geniale Art und Weise darstellen.

Nikolaus Habjan hat sich mit seiner Faust-Inszenierung im Grazer Next Liberty selbst übertroffen. Der Besuch kann jeder/jedem, der mit brennender Neugier erfahren möchte, was „die Welt im Innersten zusammenhält“, nur wärmstens empfohlen werden – ganz besonders aber den recht anspruchsvollen und schwer zu überzeugenden Augen und Ohren der Schülerinnen und Schüler.

Challenge completed.

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