Warten auf die Zukunft

Daniel Putkammer hat in seinem Leben bis jetzt alles richtig gemacht: Studium in Mindestzeit – Promotion mit 28 – Praktika – Festanstellung. Und währenddessen hat er immer gewartet: darauf, dass nächste Level in seinem Leben freizuschalten. Momentan wäre das die lang ersehnte Beförderung. Daniel Putkammer ist die Hauptfigur im Stück Warteraum Zukunft, das momentan im HAUS ZWEI im Schauspielhaus Graz zu sehen ist.

Unter der Regie von Jan Stephan Schmieding wird das 2010 mit dem Kleist-Förderpreis für neue Dramatik ausgezeichnete Stück von Oliver Kluck im HAUS ZWEI auf die Bühne gebracht. Ein einzelner Arbeitstag im Leben von Daniel Putkammer, gespielt von Nico Link, wird – in Kapitel untergliedert – auf die Bühne gebracht, angefangen vom üblichen Stau im Pendlerverkehr morgens, über Kantinengespräche vormittags bis hin zum Feierabend bei Freund*innen. Dramatischer Wendepunkt ist das Gespräch mit dem Alten aka dem Chef, dem Putkammer schon lange entgegenfiebert. Die Personen, mit denen Putkammer interagiert, werden dabei von Ralph Püttmann gespielt, der problemlos vom Chef in die Rolle der angetrunkenen Freundin wechseln kann.

Im Wäscherad der Arbeitswelt gefangen
Das Bühnenbild – ein überdimensionales, sich drehendes Wäscherad – scheint den monotonen Arbeitsalltag der Protagonist*innen zu symbolisieren: Anzüge, Kantinenessen, der billige Kaffee, dargestellt als Wasserkanister… alles dreht sich unentwegt im Kreis um die Figuren. Es gibt keine Aussicht darauf, daraus zu entkommen. Einzig als Putkammer über seine persönlichen Beziehungen spricht, befindet er sich außerhalb des Hamsterrades: aber sowohl das Verhältnis zu seinem Vater als auch das zu seiner Ex-Freundin sind von der Priorität der Arbeit über alles andere geprägt. Eine Einstellung, die nicht nur er vertritt, sondern auch die meisten Menschen in seinem Umfeld.

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Ralph Püttmann, Nico Link (c) Lupi Spuma

Monotonie des Lebens und Hoffnung auf Zukunft
Die Figur Putkammer steht prototypisch für alle, die in der Monotonie ihres Lebens gefangen sind, und auf eine vermeintlich bessere Zukunft hoffen. Dabei ist diese Hoffnung nicht mehr als ein notwendiges Übel, um den Alltag zu überstehen. Selbst Putkammer gibt kurz zu Bedenken, dass selbst die Beförderung nur bedeutet, dass er noch mehr arbeiten würde.

Das Ende des Stückes kam sehr überraschend. Viele Handlungsstränge wurden nicht zu Ende gesponnen. Was sehr schade ist, aber auch als Hommage an das wahre Leben gesehen werden kann: Das Ende kommt überraschend. Wir sollten nicht soviel Zeit mit warten verbringen.

Weitere Informationen
Das Stück ist am Montag, 29. März 2016 zum nächsten Mal zu sehen.

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