6. Orchesterkonzert (Musikverein Graz)

Als Hauptwerk des Abends stand Beethovens fünftes Klavierkonzert am Programm. Im englischsprachigen Raum eingebürgert unter dem Namen Emperor, gilt es als das berühmteste der fünf Orchesterwerke mit Klavier. Das bedeutet nicht, dass frühere Kompositionen weniger originell und einfallsreich gewesen wären. Man denke bloß daran, mit welch rührender Raffinesse Beethoven den Adagio-Dialog seines B-Dur-Klavierkonzerts stilllegt, um somit möglichst effektvoll, ein schalkhaftes, fratziges Rondo folgen zu lassen. Und auch der Dialog zwischen Solist und Orchester im zweiten Satz des G-Dur-Klavierkonzerts wirkt in seiner unbedingten Kontrastivität ausgesprochen spannungsreich und narkotisierend. Dennoch lässt sich feststellen, dass die ersten beiden Klavierkonzerte noch verstärkt einer wiener-klassischen Tradition im Stile Haydns und Mozarts verschrieben waren. Die Zäsur folgt mit Klavierkonzert Nr. 3, das sich in seiner sinfonischen Natur endgültig von bisherigen Konventionen lösen sollte. Doch erst im Es-Dur-Konzert kommt Beethoven späteren Komponisten wie Liszt oder Brahms am nächsten – und zeigt damit, wie sehr er aus heutiger Sicht den weiteren Verlauf der Geschichte des Klavierkonzerts hat beeinflussen sollen.

Patrick-Lange-stehend_copyright-by-Hoffotografen

Dirigent PATRICK LANGE – (c) Hoffotografen

Als Widmungsträger bestimmte Beethoven seinen Freund und Mäzen Erzherzog Rudolph von Österreich, dem er bereits seine berühmten Klaviersonaten op. 81a (Les Adieux) und op. 106 (Hammerklavier-Sonate) gewidmet hatte. Wie Beethovens Eroica steht das Konzert in der Tonart Es-Dur und verweist somit bereits auf seinen pathetischen, heldenhaften Charakter. In dieser Tradition wurde das Konzert am vergangenen Dienstagabend im Grazer Musikverein von Patrick Lange am Pult und Stefan Strossnig am Flügel interpretiert. Besonders die jugendliche Leichtlebigkeit der Kadenz des Kopfsatzes beeindruckte, insofern sie mit der zöglingshaften Erscheinung des 1985 geborenen Solisten korrespondierte. Die Zugabe – Schuberts drittes Impromptus aus D899 – erklang solide und frei von technischem Makel, aber entbehrte jeglichen Charme. Gewiss, das ist kein wissenschaftliches Kriterium, schließlich lässt sich kein Begriff schwerer definieren als dieser. Und doch: Wenn man Schuberts mannigfach interpretiertes Impromptus hört, muss man schweben – und von der scheinbar ewig-fließenden Wundermelodie getragen werden. Großen Pianisten gelingt das. Andere beeindrucken, aber lassen den Hörenden schlussendlich kalt. Stroissnig gehört zu der zweiten Art.

In der zweite Konzerthälfte wurde der Don Juan von Richard Strauss gegeben. Patrick Lange erwies eine konsequent-stringente Führung, die die Struktur der Tondichtung klar und deutlich akzentuierte. Der Rosenkavalier-Walzer trug – obwohl Bestandteil des Hauptprogramms – mehr die Funktion einer flotten, heiteren Zugabe. Mit diesem beschwingten Gefühl wurde man schließlich in die Nacht verabschiedet.

Weitere Konzerttermine des Musikvereins Graz sind unter folgendem Link abrufbar: http://www.musikverein-graz.at/konzerte/

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