Trümmerfrauen, Bombenstimmung

Wer in „Trümmerfrauen, Bombenstimmung“ auf der Suche nach Sprechtheater ist, der wird enttäuscht werden. Allenfalls die Begrüßung durch die großartige Margarethe Tiesel noch vor dem Beginn des eigentlichen Stückes, wäre als Sprechtheater zu verkaufen. Aber darum geht es ja auch nicht. „Ein musikalischer Theaterabend“ wird versprochen und daran wird sich auch auf beeindruckende Art und Weise gehalten.

TRUEMMERFRAUEN, BOMBENSTIMMUNG Ensemble (c) Lupi Spuma

TRUEMMERFRAUEN, BOMBENSTIMMUNG Ensemble (c) Lupi Spuma

Sandy Lopičić, der sich für die Regie und die Musik zuständig zeigt, ist in Graz kein Unbekannter. In Stuttgart geboren, als Jugendlicher nach Sarajevo gezogen und seit 1991 in Graz. Zunächst als Student an der Kunstuni und dann in vielfachen Engagements als Musiker, inszenierte er 2003 erstmalig am Grazer Schauspielhaus. In seinen Stücken finden sich häufig die selben Motive: Krieg, Vertreibung, Sehnsucht. Für „Trümmerfrauen, Bombenstimmung“ stellte er eine Band zusammen, die die vier Ensemblemitglieder Silvana Veit, Henriette Blumenau, Susanne Konstanze Weber, Clemens Maria Riegler sowie Margarethe Tiesel spielerisch begleitet und dabei nicht in den Hintergrund tritt sondern aktiv am Geschehen teilnimmt.

Das Geschehen dreht sich ganz allgemein um den Krieg. Jedoch nicht um Kämpfe an der Front und Kriegsschauplätze, sondern um die Perspektive der Heimgebliebenen. Die Frauen hinter den Kämpfern, welche über die gesamte Zeit daheim im Ungewissen bleiben. Angst, Sehnsucht, Ungewissheit und letztlich auch Trauer sind leitend und ziehen sich wie ein roter Faden durch die Titel. Von Heintjes „Mama, du musst doch nicht um deinen Jungen weinen“, über Woodkid „Run Boy Run„, Sting „I hope the Russians love their children too“, Sholom Secunda „Bei mir bistu shein“ zu Grönemeyers „Mensch“ geht die Reise.

Es ist eine gigantische Leistung, welche die fünf Schauspielerinnen und Schauspieler abliefern. Die Lieder werden live gespielt und gesungen und das mit einem wahnsinnigen schauspielerischen Nachsatz. Das Publikum ist begeistert und so gibt es nach einigen Zugaben (ein untypisches Szenario im Schauspielhaus) frenetischen Applaus und Standing Ovations.

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Weitere Informationen und die kommenden Termine sind der Homepage des Schauspielhauses zu entnehmen.

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