Frequenzen

In der Verwirrung liegt die Kraft. Über drei Stunden werden im Schauspielhaus Motive aus dem 700 Seiten Wälzer „Die Frequenzen“ des gebürtigen Grazers Clemens J. Setz auf die Bühne gebracht. Die Geschichte des Alexander Kerfuchs wird nach und nach aufgerollt. Technisch aufwändige Live-Einspielungen geben zeitversetzte handlungsstränge auf dem Second Screen wieder. Ein audiovisuelles Erlebnis erster Güte – und es hinterlässt doch Fragen.

© Lupi Spuma / Schauspielhaus Graz

© Lupi Spuma / Schauspielhaus Graz

Alexander (Im Jetzt: Clemens Maria Riegler / In der Vergangenheit: Felix Ostanek) ist auf den ersten Blick ein komischer Kauz. Unentschlossen in der Liebe und ein Freund großer Momente, bandelt er mit der Therapeutin Valerie an. Dass diese von Evamaria Salcher gespielt wird, die zudem seine Mutter spielt, lässt schon auf ein besonderes Verhältnis zwischen Mutter, Sohn und Liebschaft hindeuten. Mutter und Sohn wurden vom Vater verlassen, vom Vater beim Anschieben des Wagens (ein wunderschöner gelber Fiat 126) auf dem Weg in den Winterurlaub, nachdem dieser im Schnee stecken geblieben ist. Ein einschneidendes Erlebnis. Alexander macht sich Gedanken: Wurde der Vater entführt? Wollte er wirklich seine Familie im Stich lassen? Eine große Phantasie entsteht in seinem Kopf und wird ihn auf ewig begleiten.

Alexanders Geschichte gegenüber steht diejenige seines Jugendfreundes Walter. Auch dieser hat ein spezielles Verhältnis zu seinem Vater, einem angesehenen Architekten. Dem Druck stets mit diesem gemessen zu werden scheint Walter nicht gewachsen. Jegliche Förderung prallt an Walter ab. Er soll als Kosmopolit erzogen werden, er soll in die Fußstapfen seines Vaters treten. Er wird an jeglich erdenklichem Zeitpunkt seines Lebens mit den Vorschlägen seines Vaters überfordert. Als gescheiterter Schauspieler landet er in Valeries Therapie. Das Unheil nimmt seinen endgültigen Lauf.

Zwei verkorkste Familien, deren Vaterfiguren scheinbar die gesamte Handlung der Protagonisten beeinflussen, zwischenmenschliche Beziehungen, Hindernisse und Missverständnisse. Dazu wahrhaft wunderbare Retrospektiven mit einem Jugenddarsteller und Parallelhandlungen auf dem Second Screen. „Frequenzen“ bietet einen spannenden Theaterabend, kann aber ohne die Lektüre des zugehörigen Romans nicht alle Handlungsstränge klären, aber das wäre vermutlich auch zu viel verlangt.

Weitere Informationen zu Spielterminen und Kartenkaufen sind auf der Homepage des Schauspielhaus Graz zu finden.

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