Terry Winters und die Strukturen in Kunst und Natur

In Das Kabinett des Malers gibt Terry Winter Einblicke in die Strukturen seines Denkens: Er stellt von ihm selbst gewählte Objekte der naturkundlichen Sammlung in Dialog mit seinen Bildern. Welche Gespräche sich daraus ergeben, kann im Kunsthaus Graz erkundet werden.

Schon 2011 war im Rahmen der Ausstellung Die Vermessung der Welt ein Bild von Terry Winters im Kunsthaus Graz zu sehen. Mit Das Kabinett des Malers hat einer der bedeutendsten zeitgenössischen US-amerikanischen Maler nun eine Ausstellung im Space02. Die Beschäftigung mit Strukturen prägt Winters Werk. Nicht nur die Strukturen der Oberfläche, sondern auch die Strukturen dahinter sind Teil seiner Auseinandersetzung.

Da sich seine Bilder vor allem an die Strukturen der Natur anlehnen, war die Gegenüberstellung mit naturwissenschaftlichen Objekten nahe liegend. Diese sind quer durch die Depots der naturwissenschaftlichen Sammlung – Geologie, Paläontologie, Geologie, Zoologie, Botanik, Mineralogie – entliehen.

Winters Dialog mit der Natur

Bilder und Objekte stehen zumindest im Raum als klar voneinander getrennte Einheiten, die Strukturen oberflächlich auf unterschiedlichen Ebenen realisieren: Die Bilder abstrakt durch die von Winter gewählten Farben und Formen, die Objekte real mit den Formen, die ihnen von Natur aus eigen sind. Dennoch sind sie miteinander verflochten: durch die Verarbeitung von Naturprozessen und -strukturen in Winters Bildern; durch die von Winter getroffene Auswahl, welche naturkundlichen Objekte er mit spezifischen Bildern in Kombination stellen möchte. Die Blicke der Besucher*innen sind zwar durch die getroffene Auswahl des Malers eingeschränkt, können aber dennoch selbst andere Vernetzungen zwischen vermeintlich abstraktem Bild und vermeintlich realem Objekt herstellen.

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Terry Winter: „Clocks and Clouds“ (2012) (c) Ron Amstutz 

 

Multimediale Aspekte?

Der ‚reale‘ Dialog mit der Natur als Interaktion zwischen Terry Winters Kunst und den Strukturen der Natur wird erweitert um eine ‚virtuelle‘ Komponente: Multimedial werden in Winters Sammlung auf Pinterest die Verästelungen und Vernetzungen online verbildlicht. Graz Cabinet heißt die virtuelle Erweiterung, die – wie üblich für Social-Media-Plattformen – erst durch die Interaktivitätsmöglichkeiten der Nutzer*innen mit den Inhalten lebt. Online können einzelne Bilder geliked, gespeichert oder geteilt werden. So mutet es grotesk an, diese interaktiven Elemente in der Ausstellung als starre Ausdrucke zu sehen. Um den Aspekt der Interaktion beraubt, wirken die Abbilder der Pinterst-Wall wie Mahnmale an das digitale Zeitalter zwischen den Ausstellungsstücken. Sie irritieren den Blick der Besucher*innen bei der Konzentration auf Winters Bilder im Dialog mit den Objekten der naturkundlichen Sammlungen. Online lohnt sich ein Blick auf das Graz Cabinet jedoch fraglos.

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Ausstellungsansicht (c) Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

 

Terry Winters Bilder laden dazu ein, in ihnen zu versinken, ähneln schlussendlich auch darin Naturlandschaften. Möglichkeiten dazu finden sich für Besucher*innen noch bis zum 21. September 2016. Informationen über Termine zu Themenführungen finden sich auf der Website des Kunsthaus Graz.

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