Christoph Eschenbach in Graz

Nach dem Tod von Nikolaus Harnoncourt verbleibt er im deutschen Sprachraum als einer der letzten großen Mohikaner am Dirigentenpult: Stardirigent und -pianist Christoph Eschenbach.

Am 25. und 26. April beehrte Eschenbach den Grazer Musikverein, begleitet von dem Solisten Christopher Park und den Bamberger Symphonikern. Die Musiker hatten sich allerhand vorgenommen: Wiener Klassik, Hochromantik, Spätromantik, sogar Zeitgenössisches sollte den Abend bereichern. So begann das Konzert mit einem Werk des deutschen Gegenwartskomponisten Peter Ruzicka. Sein Werk Annäherung und Stille für Klavier und Streicher bietet alles, wovor zeitgenössische Musik keine Scheu hat: Dissonanzen, experimentelle Tonkombinationen, Lautmalereien, und doch endet alles – sich annähernd, wie der Titel bereits verspricht – in einer betörend malerischen Melodie des Solisten. Allerdings muss festgehalten werden, dass der Applaus des Publikums noch nicht jenes Ausmaß erreicht, das den Stefaniensaal im weiteren Verlauf des Abends noch erfüllen soll.

Mit Schumanns Klavierkonzert setzt das Programm fort, und bereits an den ersten Takten, die den Zuhörer medias in res versetzen, spürt man geräuschlose Übereinkunft des Publikums: War man gegenüber Ruzicka noch skeptisch gewesen, hat man es nun mit einem Komponisten zu tun, auf den sich zu einigen nicht schwerfällt. Der eindrucksvoll Kopfsatz des a-Moll-Klavierkonzerts gehört zu den Inbegriffen der romantischen Musikepoche. Wenngleich Christopher Park an manchen Stellen – insbesondere bei jenen zarten Läufen aus Exposition und (sich wiederholend) in Reprise – durchaus angebrachte Leidenschaft und Dringlichkeit vermissen lässt, bewegt sein Spiel, allen voran in dem rührend-schüchternen Flüsterdialog zwischen Klavier und Oboe. Die Kadenz bot Parker überzeugend.

Nach einer Mendelssohn-Zugabe und einer 20-minütigen Pause, setzte der Abend mit Brahms‘ dritter Sinfonie fort. Hier lieb vor allem das von Eschenbach mit zarter Tristesse vorgetragene Thema des dritten Satzes dem empathischen Zuhörer noch lange in Ohr und Gedächtnis. Nach so viel Schwermut wurden zum Abschluss dem Publikum drei von Brahms‘ Ungarischen Tänzen (Nr. 3 / Nr. 16 / Nr. 10) dargeboten. Als endgültige Zugabe spielte man noch die Ouvertüre zu Mozarts Figaro.

Der Applaus war frenetisch, und mit ihm ging sowohl für das Publikum als auch den Musikverein ein großer Konzertabend zu Ende.

Das weitere Programm ist unter folgendem Link abrufbar: http://www.musikverein-graz.at

 

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