Einblicke in die Zinekultur

Vom 06. – 08. Mai finden die Galerientage in Graz statt. 40 Programmpunkte an 27 Orten erwarten die Besucher*innen, angefangen von Performances über Gespräche mit Künstler*innen bis zu Symposien. Eröffnet wurden die Galerientage gestern im Künstlerhaus Graz, in dem gestern und heute Einblicke in die Welt der Zines gewährt werden. Impressionen vom Freitagnachmittag.

Die Grazer Galerientage sind Ausdruck der Leidenschaft für zeitgenössische Kunst, die einen wertvollen Beitrag zur Lebenskultur einer Stadt leistet. Kunst kann die Perspektive erweitern, auch in Form von Kunstbüchern wie den Zines, die auf #Riafeniz – Zinefair im Künstlerhaus gezeigt werden.

Was ist ein Zine?

A zine is a self-published, independent magazine, basically. Often they are odd sizes. Zines are characteristically unconcerned with a glossy presentation, often handwritten, and xeroxed. A typical zine is made by xeroxing paper and folding it in half, then stapling the middle. Very often the originals are made by cutting and pasting paper on paper, not on computers.[1]

Zines sind niederschwellig zugänglich; Zines ermöglichen andere Themen oder Themen anders aufzugreifen; Zines sind – gleich wie digital Blogs –  ein Medium, das es jedem*jeder ermöglicht, zu partizipieren. Über 20 Zines aus Graz, nationalem und internationalem Umfeld sind in Graz anwesend. Die Künstler*innen, Herausgeber*innen und Gestalter*innen geben den Besucher*innen dabei gerne zusätzlich Auskunft über ihre Projekte.
Es folgt ein subjektiv ausgewählter Einblick in einige der ausgestellten Zines.

Ztscrpt: interdisziplinäre Einblicke in die Kunst  

ztscrpt – ist ein Kollektiv von 6 Künstler*innen, dem auch Kurator Christian Egger angehört. Jedes Heft heißt immer wie die Schrift, die dafür verwendet wird. Interessant ist vor allem die neueste 28. Ausgabe des Zines, weil sie sich mit der aktuellen Ausstellung im Künstlerhaus Sighs trapped by Liars – Sprache in der Kunst befasst. Einen performativen Einblick in das Entstehen eines Zines gab das Kollektiv 2013 in Innsbruck:

Literarische Perspektiven: theoretische und praktische Auseinandersetzung mit literarischen Tendenzen

Auch die Grazer Literaturzeitschrift Perspektive ist auf der Zinefair vertreten und zeigt einen diachronen Querschnitt durch ihr Bestehen. Als humoristisches Highlight haben sie für die Besucher*innen ein Quiz anlässlich zum 50. Geburtstag Peter Handkes aus den 1990er Jahren mitgebracht.

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Hintergrund: Ausgabe 1992; Vordergrund: Quiz zum 50. Geburtstag von Peter Handke

 

Erinnerungskultur: Wie kann mensch sich heute noch erinnern?

Lady Liberty Press, Nina Prader, hat sich in ihrem Zine Memory Games mit den Möglichkeiten, Zugänge zu Erinnerungen und Wissen zu finden, auseinandergesetzt. Dabei stellt Memory Games das Werkzeug in Form von 28 Karten bereit, um einen direkten Einstieg in komplexe Themen, wie Flucht, Migration oder die Shoah zu geben. Wie bei Memory werden dazu immer zwei Karten aufgedeckt. Zu diesen werden dann – ähnlich einem Rorschach-Test – Assoziationen zum Thema gebildet.

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Memory Games (c) liawriting

Das Zine funktioniert dadurch interaktiv und als soziale Praxis. Nach dem „Spiel‘ können die Karten wieder in einer an eine Zündholzschachtel angelehnten Verpackungen verwahrt werden, immer bereit, um wie ein „Zündholz, gewisse Themenbereiche zu schüren,“ wie die Künstlerin Nora Prader meint.

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Zine ‚Memory Games‘ Außenansicht (c) liawriting

Auf dem Blog von Lady Liberty Press finden sich weitere Fotos und ein englischsprachiger Bericht über die Zinefair.

Eva & Co: Feministisches Zine aus den 1980er Jahren

Neben Einblicken in die aktuelle Zinekultur sind auch Zeitschriften vertreten, die heute nicht mehr publiziert werden, wie Eva & Co. Die feministische Kulturzeitschrift, herausgegeben von der Grazer Künstlerin Eva Ursprung, erschien von 1982 bis 1992 in Graz. Die 24 Hefte setzen sich mit unterschiedlichen Themenkomplexen von „Arbeit“ (H. 11), über „Bildende Kunst“ (H.10) bis zu „Science Fiction“ (H. 17) aus feministischer Perspektive auseinander.

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Eva & Co: im Vordergrund – Grafiken aus des Heftes 9 „Männer“ (c) liawriting

 

Wer Lust bekommen hat, sich näher mit Zines zu beschäftigen, der*die kann dies heute noch im Künstlerhaus – Das Programm für den heutigen Tag kann hier nachgelesen werden.

[1] aus: Kirsten Anderberg: Zine Culture: Brilliance under the radar 

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