Florian Boesch

Der 11. Mai begann mit einer Enttäuschung. Denn nicht der angekündigte Star-Bariton Simon Keenlyside sollte seinen geplanten Schubert-Abend bestreiten, sondern ein Ersatz. Dem Musikverein-Besucher war der Name dieses Ersatzes nicht unbekannt, schließlich hatte Florian Boesch erst ein Monat zuvor gemeinsam mit Thomas Quasthoff einen Lieder-Lese-Abend im Namen Heinrich Heines veranstaltet.

Die Enttäuschung war schnell getröstet: Florian Boesch gilt als seit mehreren Jahren bekannter Bassbariton. Das Repertoire, das er besitzt, ist sehr umfassend, wie sich an seinem unerwarteten Konzerteinsprung in Graz erwiesen hat: Spontan habe er während einer Zugfahrt das Programm für den Abend zusammengestellt. Statt das reine Schubert-Programm von Keenlyside zu übernehmen, bot Boesch Diversität an: Schubert, Schumann, Hugo Wolf. Interessant an seiner Liederauswahl war vor allem, dass drei Gedichtvertonungen doppelt vorgekommen sind, nur eben von einem anderen Komponisten, nämlich die sogenannten Harfner-Lieder aus Goethes Wilhelm Meister, einmal vertont von Schubert, einmal vertont von Hugo Wolf.

A_BOESCH-_-credit_Lukas-Beck-749x391-1462868525

Florian Boesch – (c) Lukas Beck

Boesch führte stimmlich souverän durch den Abend, verließ aber an bestimmten Stellen an Gefühl missen, so beispielsweise dem berühmten Wer nie sein Brot mit Tränen aß in der Schubert’schen Vertonung. Auch Boesch‘ Kommentare zu den Liedern der Zugabe hinterließen einen merkwürdigen Beigeschmack. So kündigte Boesch beispielsweise das Schumann-Lied Verratene Liebe damit an, es handle sich hierbei um Lied über Twitter. Auch etwas blamabal erschien, dass Boesch gemeinsam mit Pianist Martineau nach jedem zugegebenen Lied zweimal – insgesamt also sechs Mal – von der Bühne abgetreten ist, während sich das Publikum im Saal bereits lichtete und der Applaus spürbar weniger wurde. Warum Boesch angesichts dessen nicht die Zugabe in einem durchgehenden Ablauf (oder zumindest mit jeweils einmaligem Abtreten von der Bühne) bestritten hat, blieb ungeklärt.

Hervorragend hingegen meisterte Boesch die fortissimo-Ausbrüche, die vor allem in den Wolf-Liedern so oft und ausdrucksstark zum Ausbruch kommen. Auch das Spiel von Martineau überzeugte.

Mit dem 5. Liederabend ging der letzte Liederabend dieser Grazer Saison zu Ende. Freundlich sei jedoch auf die kommende Saison mit prominenten Namen wie Bartoli oder Garanca verwiesen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s