Johnny Breitwieser – Musik trifft Mythos

„Die Armut ist da, wo der Kampf aufhört“ – eine musikalisch umrahmte Verbrecherballade rund um den berühmt-berüchtigten Johnny Breitwieser im Haus Zwei (Schauspielhaus Graz).

(Anti-)Held des Stücks ist Johann „Johnny“ Breitwieser, geboren 1891 in prekären Verhältnissen in der Wiener Vorstadt.  Seine Welt ist geprägt von körperlichem und seelischem Elend, von Gewalt und Brutalität. Dennoch ist er alles andere als ein rein egoistisch handelnder Kleinkrimineller – er nimmt von den Reichen und verteilt es unter die Armen. Nach jahrelanger polizeilicher Verfolgung wird er als knapp 30-Jähriger auf der Flucht erschossen. So bleibt Breitwieser das Sinnbild des immer gegenwärtigen Kampfes gegen die Ungerechtigkeit der sozialen Verhältnisse.

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(c) Lupi Suma

Mathias Schönsee inszeniert die zwischen Dreigroschenoper und Brecht anzusetzende Verbrecherballade des österreichischen Erfolgsautors Thomas Arzt auf der Grazer Schauspielhausbühne (Haus Zwei) mit extra dafür komponierter Musik (Maike Rosa Vogel), die mit viel Gefühl das Darstellerische gekonnt umrahmt und den romantischen Flair der Ballade betont. Die hervorragende Besetzung – Florian Köhler (Johnny), Raphael Muff (Johnnys Bruder Carl), Julia Richter (Johnnys Liebe Anna), Veronika Glatzner (Greta), Silvana Veit (Luise, das Sprechrohr des Volkes), Nico Link (Verräter Wenzl) und Franz Solar (Polizeiinspektor Schödl) – brilliert dabei nicht nur durch ihre überzeugende darstellerische Leistung, sondern auch durch ihr multi-instrumentales (Gitarre, Bongos, Xylophon, Klavier, Mundharmonika) und gesangliches Können.

Der Gesang ist zwar nicht immer voll intoniert, doch berührt Authentizität und Musizieren „mit Leib und Seele“ viel mehr als musikalische Perfektion ohne Tiefgang. Besonders gut sind die unterschiedlichsten Geräusche, die gekonnt stimmlich oder instrumental erzeugt werden. Das einfach gehaltene Bühnenbild à la Dreigroschenoper besteht Großteils aus Holz und einfachen Requisiten, die mehrfach eingesetzt werden.

Die knapp zweistündige Aufführung ist kurzweilig und besticht durch reichlich pointierte Komik. Als i-Tüpfelchen überraschen gelungene Tango Argentino-Tanzeinlagen, die die emotionale und romantische Note des Stücks nochmal akzentuieren. Eine äußerst gelungene Soiree!

Nähere Infos zum Stück und zum Schauspielhaus Graz hier

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(c) Lupi Suma

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