Im Wunsch nach Rache gefangen

Passend zum 400. Todestag Shakespeares bringt auch das Schauspielhaus Graz mit Der Sturm ein Stück des Dramatikers auf die Bühne. Das Streben und die Gier nach Macht der einzelnen Figuren, allen voran des Herzogs Prospero, der auf Rache sinnt, wird vor einem kargen Bühnenbild in Szene gesetzt.

Prospero (gespielt von Barbara Petritsch), ehemals Herzog von Mailand, wurde von seinem Bruder Antonio gestürzt und auf dem Meer ausgesetzt. Prospero überlebt jedoch gemeinsam mit seiner Tochter Miranda (gespielt von Tamara Semzow), da sie auf einer Insel stranden. Diese hat Prospero kolonialisiert und sich sowohl den Insulaner Caliban (gespielt von Julia Gräfner) als auch den Luftgeist Ariel (gespielt von Sarah Sophia Meyer) zu Dienern gemacht. 12 Jahre nach ihrer Ankunft bekommt er die Chance, sich zu rächen, da sein Bruder mit dem König auf der Heimreise an der Insel vorbeisegelt. Er lässt Ariel einen Sturm heraufbeschwören, der die Flotte des Königs auf der Insel stranden lässt.

Regisseur Stephan Rottkamp verzichtet auf eine idyllische Darstellung der von Zauberwesen bevölkerten Insel und stellt diese als kargen, unwirtlichen Ort dar. Das Bühnenbild, gestaltet von Ralph Zeger, besteht aus einem erdigen Hügel, der die Gestrandeten zur Verzweiflung bringt. Der erdige Geruch, der das gesamte Theater durchströmt, bringt eine Brise der rohen Natur auch dem Publikum nahe.

Zwischen Rache und Machtgier gefangen

Prospero, der sich schon als Herzog in Mailand mit okkulter Magie beschäftigte, hat das Leben der übrigen Figuren mithilfe des Luftgeistes Ariel in der Hand und präsentiert sich als unbesiegbar. Passend dazu ist Schauspielerin Barbara Petritsch ganz in Schwarz gekleidet und hält sich auch in den Szenen anderer Figuren als Beobachterin im  Hintergrund auf. Prospero, der selbst aus seinem Herzogreich vertrieben wurde, stellt sich als Kolonialherrscher der Insel dar, und macht sich den Insulaner Caliban zum Untertan, obwohl dieser ihm die Geheimnisse der Insel erst offenbart hat. Julia Gräfner, die zurecht für ihre Darstellung vielfach gelobt wurde, spielt Caliban als getriebenes Wesen, dass fast nackt, zu den Füßen seines jeweiligen Herrschers herumkriecht, und sich um die Herrschaft seiner Insel beraubt sieht.

Aber nicht nur im nach Rache strebenden Prospero, sondern auch in den anderen Figuren wird der Hunger nach Macht erkennbar: Antonio versucht den Bruder des Königs zu verleiten, diesen zu töten, um die Krone für sich in Anspruch zu nehmen. Zwei Mitglieder der königlichen Flotte, die das komödiantische Element des Stückes verkörpern, Trinculo und Stephano schmieden gemeinsam mit Caliban den Plan, Prospero zu töten, um selbst Herrscher der Insel zu werden.

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Tamara Semzow, Barbara Petritsch, Sarah Sophia Meyer (c) Lupi Spuma


Darstellung der Magie

Wichtiges Element im Stück ist die Magie der Insel, die vor allem vom Luftgeist Ariel verkörpert wird, und in dessen Handlungen auch das Theater an sich in den Vordergrund rückt. Schon über die Kleidung des Luftgeistes – einen silbernen Glitzerbody – Die Bühne wird zu seiner Manege, vor allem erkennbar, wenn er von oben – sichtbar an Schnüren – und mit Engelsflügeln in der Hand ins Bild schwebt, um die Gesandtschaft rund um König Antonio an ihren Verrat an Prospero zu erinnern.

Gut umgesetzt ist auch die Untermalung der magischen Elemente durch Musik, wobei durchaus Lieder von zeitgenössischen Sänger*innen, etwa Lana del Rey, einfließen und so eine Verbindung zur Gegenwart herstellen. Auch bei der Liebeserklärung des Prinzen Ferdinand (Raphael Muff) an Prosperos Tochter Miranda hat Ariel seine Finger im Spiel. Mit Seifenblasen, in Rosa getauchtem Licht und Rauch wird der Liebeszauber als kitschiger Höhenrausch der beiden Figuren dargestellt. Dazu trägt auch maßgeblich die etwas gewöhnungsbedürftige Musikauswahl – Unperfekt von Mateo – bei.

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Tamara Semzov, Raphael Muff, Sarah Sophia Meyer (c) Lupi Spuma

 

Das sehr sehenswerte Stück wird noch ein letztes Mal in der diesjährigen Theatersaison aufgeführt: am 16. Juni 2016 um 19:30 Uhr.

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