Aus dem Rahmen fallende Carmen

Bizets „Carmen“ nach 10 Jahren wieder auf der Grazer Opernbühne in der wortwörtlich aus dem Rahmen fallenden Inszenierung

Carmen als einfache Putzfrau, die mehr in sich hat als die Fassade zu vermitteln scheint, und Don José als scheinbar steifer Museumswächter – auf den ersten Blick mag diese Interpretation verwundern, aber Stefan Herheims Inszenierung der meisterhaften Oper „Carmen“ liegt ein interessanter Ansatz zu Grunde: Die Malerei dient als Projektion der eigenen Liebesideale und führt dabei als roter Faden durch die Handlung, bei der sich Realität und Fiktion vermengen. Unterstrichen wird dieses Spiel mit den Illusionen und Träumen der Figuren durch das effektvolle Bühnenbild. Von der ursprünglichen Feurigkeit und Leidenschaft der „Carmen“ bleibt im frivolen Spiel der Protagonisten aber eher wenig übrig.

Carmen_Werner Kmetitsch

(c) Werner Kmetitsch

Das von Dirk Kaftan geleitete Orchester stieg mit einer etwas stampfenden Ouvertüre ein und fand erst in der zweiten Hälfte zur nötigen Geschmeidigkeit in Bizets Musik. Besonders lobenswert sind die schönen Chorpartien; die Inszenierung gab dem Damen-, Männer- und Kinderchor reichlich Platz. Martin Muehle brillierte in darstellerischer, gesanglicher und sprachlicher (Französisch) Hinsicht als Don José, während Markus Butter einen optisch feinen, aber stimmlich schwächeren Escamillo mimte. Dshamilja Kaiser ist als Carmen gesanglich nichts auszusetzen – außer eine leicht zu tief angesetzte „Habanera“ -, jedoch fehlte ihr im Vergleich zu den quirligen Anna Brull (Mercedes) und Tatjana Miyus (Frasquita) eine Spur an Temperament. Eine sehr souveräne Sophia Brommer überzeugte als Micaela.

Die Idee, Gemälde zum Leben zu erwecken, erinnert die jüngere Generation wohl an die Hollywoodkomödie „Nachts im Museum“. Anders als im Film wirkte das Figurenpotpourri in „Carmen“ stellenweise etwas zu deftig. Unpassend war auch die Neuinterpretation des Dancairo bzw. Remendado als aufgesetzte Damenrollen.

Carmen_Werner Kmetitsch-2

(c) Werner Kmetitsch

Summa summarum bietet die Oper Graz mit „Carmen“ eine engagierte und im Grunde gut wirkende Inszenierung, die aber nicht durchgehend geglückt ist. Weniger Abscheifung vom Originalkonzept hätte nicht geschadet.

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