Höhenflüge mit Klarinette bei recreation

Das letzte recreation-Konzert dieser Saison beging Dirigent Michael Hofstetter mit dem GROSSEN ORCHESTER GRAZ und einer stimmigen Auswahl romantischer Werke von Carl Maria von Weber und Felix Mendelssohn. Der Freischütz-Ouvertüre folgte ein fulminantes Klarinettenkonzert mit Daniel Ottensamer als Solist. Im zweiten Teil war Mendelssohns 3. Symphonie mit dynamischen Tempowechseln zu hören.

(c) Daniel Ottensamer

(c) Daniel Ottensamer

Mit einem langgezogenen, auf der Stelle schwebenden Ton begann eines der wohl deutschesten Werke der Orchesterliteratur. Schon in der Einführung zum Konzert ließ Dirigent Hofstetter seine Affinität zu Webers Werk durchklingen und auch bei der Aufführung erkannte man schnell, dass er sich in dieser Musik zuhause fühlte. Mit sichtlicher Begeisterung vermittelte er dem aufmerksamen Zuhörer die in der Musik verarbeitete Geschichte des Freischütz’. Themen wie Tod und Freudensprünge hörte man in erstarrten Pausen und euphorischen Oktavensprüngen. Das Orchester von recreation zeigte große Sicherheit in dem Ausschnitt aus der Freischütz-Oper, die sie 2014 auch schon bei der styriarte dargeboten hatten.
Mit dem Klarinettenkonzert Nr. 2 in Es folgte ein weiteres Weber-Werk. Die Instrumentalisten wurden nun um eine Figur erweitert: den Soloklarinettisten der Wiener Philharmoniker Daniel Ottensamer. Mit Talent, Ausdrucksstärke und Charisma hat Ottensamer Junior Nr. 1 (Senior ist ebenfalls bei den Wienern, während Junior Nr. 2 für die Berliner Philharmoniker spielt) alles, was man sich für einen Solisten wünschen kann. Schon in der ersten Minute zeigte er die ganze Bandbreite seines Spiels auf. Mit stürmischen Sprüngen zwischen den Oktaven vermittelte er Kraft und Sicherheit, im nächsten Moment mit zart geführtem legato-Lauf die Einfühlsamkeit für sein Instrument. Im Andante zog er weite Bögen indem er jeden Ton leise wie aus dem Nichts ansetzte und wie von alleine zu steigern schien. Die Bläser im Orchester gingen ganz auf diese Spielweise ein und unterstützen den natürlichen Fluss damit noch mehr. Der dritte Satz erfolgte wie eine schwungvolle Erzählung mit dramatischen Pausen und unerwarteten Wendungen, in der Hofstetter seinem Solisten alle Freiheiten gab. Der nichtendendwollende Applaus war verdient.

Michael Hofstetter; (c) Werner Kmetitsch

Michael Hofstetter; (c) Werner Kmetitsch

Mit Mendelssohn folgte im zweiten Teil eine Reise in die Highlands von Schottland. Wie auch schon viele Komponisten vor ihm weigerte sie Mendelssohn seine Musik als klare Beschreibung etwa einer Landschaft zu verstehen. Die Musik sei mehr ein „Ausdruck der Empfindung“ erklärte Hofstetter. Was im jungen Mendelssohn beim Komponieren vorging, interpretierte wohl jeder Zuhörer im Saal etwas anders. Im ersten Allegro setzte Hofstetter bewusst gemäßigt an, um die „Dammbrüche“ des Satzes noch effektvoller zu gestalten. Tosendes Wasser kann man sich an diesen Stellen vorstellen, eine wilde Talfahrt oder vielleicht doch ein stürmisches Liebesabenteuer? Im zweiten Satz schnitten die Musiker ein strafferes Tempo an, das im dritten Satz wieder von bewusst ausladenden Rhythmen abgelöst wurde. Im Finale setzte man auf ein starkes Forte mit präziser Artikulation. Besonders schön erklangen hier Orchestersolisten bei Klarinetten und Fagotten. Leichtfüßig schienen die zwei miteinander zu tänzeln, während das Orchester um sie herum ein feingliedriges Windspiel erklingen ließ.
Der Ausflug in böhmische Wälder und schottische Highlands kann am 3. Juli um 20:04 auf Radio Steiermark nachgehört werden.

Mehr Informationen unter:
http://styriarte.com/events/aus-den-highlands/?realm=recreation&sti=15162

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