Betrunkene sagen die Wahrheit

Das Schauspielhaus wurde erobert. Und dann noch von Betrunkenen! Sie allesamt eint – neben der extremen Trunkenheit – der Drang etwas Bedrückendes loszuwerden. Ob die Partnerin oder den besten Freund verletztend, ob es die große Sehnsucht nach Liebe oder nach der verstorbenen Mutter ist, im Rausch kommt alles ans Tageslicht. Die Ehrlichkeit siegt!

Die sieben Schauspieler*innen, allesamt mit Doppelrollen im Stück, bewegen sich famos torkelnd und sinnierend auf der frei schwingenden Bühne. Das Bühnenbild von Wolfgang Menardi wirkt karg und fragil. Teilweise zerstört, wie die Charaktere am Abgrund der Nacht im Regen stehen gelassen und fügt sich dementsprechend genial in das Stück ein. Es kommt zu Stürzen und Wutausbrüchen (wobei Werner Strengers Tritt gegen die Holzverkleidung der Bühne wohl ein unplanmäßiges Loch hinterließ), man kennt den Rausch und die Kräfte, die er freisetzt.

BETRUNKENE Tamara Semzov, Werner Strenger (c) Lupi Spuma

BETRUNKENE Tamara Semzov, Werner Strenger (c) Lupi Spuma

Verflossene Liebe taucht wieder auf, das Knutschen mit der Ex. Nichts realitätsfernes, und doch kulminiert in diesem Stück sehr viel Trunkenheit auf einer Bühne. Dem Publikum wird zur weiteren Unterhaltung Vodka gereicht, es herrscht eine aufgelockerte Stimmung. Wir lachen mit und über die Betrunkenen, wir stellen uns auf eine Ebene über sie. Aber dürfen wir das?

Uns wird vorgeführt, wie albern wir in der Trunkenheit agieren, aber auch wie ehrlich. Der Mensch ist Mensch, wenn er betrunken ist. Das Spiel ist vorbei.

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