Beethoven im neuen alten Kleid

Die junge Amerikanerin Karina Canellakis bestritt den ersten Beethoven-Abend mit den Symphonien 1 und 8. Der Concentus Musicus Wien gab sich unter ihrer Leitung im orginal-barocken Klang.

(c) Werner Kmetitsch

(c) Werner Kmetitsch

„Die Gipfel des Glücks ausloten“, war eines der Ziele von Nikolaus Harnoncourt, das er mit der Aufführung aller 9 Beethoven Symphonien erreichen wollte. Mit einer Erinnerung an den Großmeister der Alten Musik führte Intendant Mathis Huber in den Abend ein. Die Visionen des Harnoncourts zu verwirklichen, lag zu Beginn in den Händen von Karina Canellakis. Unaffektiert und fast schüchtern betrat die junge Dirigentin die Bühne. Sobald das Pult erreicht ist, zeigte ihre Haltung von Spannung und Sicherheit, die Arme gingen in die Luft und die Musik begann zu fließen. „She is equally at home performing all genres of the repertoire“ heißt es auf der Website von Canellakis. Eine ambitionierte Aussage, mit dem Contenus schien sich die Amerikanerin aber tatsächlich wohl zu fühlen. Mit Schwung und Überzeugung dirigierte sie Beethovens 1., vor allem im Menuetto zeigte sie neue Einfälle. Knallende crescendi und ebenmäßige piano-Stellen gaben einen packenden Kontrast, im Finale sorgten die Blechbläser für feierliche Stimmung.
Das renommierte Orchester musizierte auf barocken Instrumenten und in der originalen, verkleinerten Besetzung. Diese alte Form der Aufführungspraxis ist für die „modernen“ Ohren zunächst etwas ungewohnt. Da gickst es schon einmal bei den Trompeten und die Geigen sind mit ihrer verhältnismäßig großen Anzahl sehr dominant. Öffnete man sich aber diesen Unterschieden, erfuhr man durch die überschaubare Größe des Orchesters und die dunklere Färbung einen familiären Klang. Dies verstärkte sich umso mehr als die Musiker präzise aufeinander hörten, stets den Kontakt zur Dirigenten und den anderen Stimmgruppen hielten.
In der 8. Symphonie, für mich ein Werk voll Lebensfreude, setzte Canellakis schon im ersten Satz auf einen sehr eindringlichen Ton. Ein starkes forte hielt sie zu eisern, erst im Allegreto scherzando löste sich die Spannung. Im Folgenden sorgten Celli und Kontrabässe für eine wippende Basis, während Horn und Klarinette munter darüber tollten. Im Finalsatz stellte sie das schäumende Hauptthema und das wiegende Seitenthema gefinkelt in Opposition und nahm vor Schluss bewusst die Lautstärke zurück, um den Schluss aus den verschiedenen Beethoven’schen Einfällen türmend aufbauen zu können. Ihr frischer Funke sprang auf das Publikum über und brachte Standing Ovations.

Mehr Informationen zum Konzert und zu weiteren Veranstaltungen der Styriarte unter:
http://styriarte.com/events/beethoven-1-8/?sti=20819

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