Ein Appell an Musik ohne Geschlecht

Unter dem Titel „The March of Women“ präsentierte die Styriarte ein Konzert um die englische Komponistin Ethel Smyth. Es war ein Abend voll Witz, Tiefgang und Frauenpower.

(c) Styriarte

(c) Styriarte

Viel Interessantes und Amüsantes konnte man über Frau Smyth erfahren. „Sie ist eine der wenigen Komponistinnen, die man ernst nehmen kann“, „eine mit Mumm!“, sagten männliche Musikerkollegen über sie. Doch nicht nur die von ihr geschaffene Musik wurde in der Helmut List Halle gehuldigt, auch von ihrem Leben als Frauenrechtlerin wurde in den musikalischen Pausen berichtet. Elke Tschaikner las die Texte um Smyth tadellos, die Emotion dieser teilweise bewegenden Geschichten musste man aber selbst hinzudenken. Geboren in England, ging Smyth für ihr Ausbildung nach Leipzig, wo sie vom Ehepaar von Herzogenberg gefördert wurde und Größen wie Brahms und Tschaikowsky persönlich kennen lernte. Trotz großem Talent ließ der Erfolg lange auf sich warten, denn politisch und musikalisch wuchs sie in einer von Männern dominierten Welt auf. Ethels persönliche und kompositorische Entwicklung wurde mit dem vielseitigen Programm lebhaft dargestellt. Kammermusik, Lieder und solistische Werke wechselten sich stetig ab, neben Smyths Musik waren auch Klänge ihrer größten Beeinflusser Brahms und von Herzogenbergs zu hören. Das zusammengestellte Ensemble bot jeder für sich und gemeinsam in der Gruppe eine einfühlsame, kluge Interpretation. Christoph Berner (Klavier), Maria Bader-Kubizek (Violine) und Rudolf Leopold (Violoncello) harmonierten fein, lediglich im Presto non assai von Brahms war der Ton in den Streichern etwas zu zart gewählt. Am Horn zauberte Christian Binde klangliche Berge in den großen Saal. In Brahms Horntrio rankten sich Violine und Klavier fließend um den warmen Blechklang und man fragte sich, warum nicht mehr Komponisten das Potential dieser Instrumentenkonstellation erkannt haben.

Sarah Wegener; (c) Simon Wagner

Sarah Wegener; (c) Simon Wagner

Den Liedern von Ethel Smyth hauchte Sarah Wegener mit ihrem wandelfähigen Sopran viel echtes Leben ein. Ihrer Höhe ließ sie großen Raum, sodass ihr Vibrato sanft wallend klang. Durch ihre klare Artikulation, konnte man dem Inhalt der Lieder in englischer Sprache leicht folgen, ihre ungehemmte Mimik und die dynamische Vielfalt vermittelten die Emotion. Besonders die Lieder „Possession“ und „After Sunset“ waren ein großer Genuss und zeigten auch Smyths musikalische Weiterentwicklung verglichen mit den vorher gehörten früheren Werken. Es ist eine Musik voll Originalität, voll Unruhe und doch mit einem gewissen Schmäh. Zu Unrecht ist die Komponistin nur innerhalb Englands wirklich bekannt. Zumindest ihr Lied „The March of the Women“, das Kampflied der Suffragetten, hat es zu Weltruhm gebracht. Auch der Kampfgeist der Engländerinnen wurde heraufbeschworen und so sang das gesamte weibliche Publikum gemeinsam mit den Musikerinnen Smyths Hymne. Ein schönes Zeichen, ein aufzeigendes Zeichen, denn der Kampf der Suffragetten ist noch keine 100 Jahre her und viele Frauen genießen noch immer nicht die Rechte, für die sich Menschen wie Ethel Smyth eingesetzt haben.

Mehr Informationen zum Konzert und weiteren Veranstaltungen der Styriarte unter:
http://styriarte.com/events/the-march-of-women/?sti=20823

Hörprobe „The March of the Women“:

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