Beethoven 2+7 – Schall und Wahn

An insgesamt fünf Konzertabenden werden im Rahmen der diesjährigen Styriarte sämtliche Symphonien Beethovens aufgeführt, die ursprünglich unter der Leitung des inzwischen verstorbenen Nikolaus Harnoncourt stattfinden hätten sollen. Aufgrund der notwendigen Neubesetzung fiel für die ersten beiden Konzerte des Beethoven-Zyklus die Wahl auf die junge und reizende Amerikanerin Karina Canellakis, die auch das am 26. Juni im Stefaniensaal stattfindende Konzert Beethoven 2+7 gemeinsam mit dem Concentus Musicus Wien dirigierte.

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Karina Canellakis (c) Werner Kmetitsch

Beethovens Symphonie Nr. 2 in D-Dur (op.36) wurde 1803 uraufgeführt und in jener Zeit verfasst, als die Ertaubung des Komponisten deutlich wurde. Zeitgenössische Kritiker reagierten sehr unterschiedlich auf jenes Werk, das in jedem Falle als ungewöhnlich schwer, neuartig und kolossal erkannt wurde. Genau jene Schwere, die diese Symphonie prägt, lässt sich, in naturgemäß veränderter Form, auch in der 7. Symphonie wiederfinden, in einer durchaus stimmigen Weise, sodass sich die gemeinsame Aufführung an einem Abend als Glücksgriff erwies.

Nach einem lebensfrohen und heiteren ersten Satz (Adagio molto – Allegro con Brio) folgt ein menuettartiges Larghetto, das spielerisch und heiter klingt und bloß von dem nun flotter gewordenen Scherzo des dritten Satzes an Verspieltheit überboten wird. Der 4. Satz (Allegro molto) vollendet schließlich jene berührende Symphonie, die von Canellakis leider etwas zu sanft und glatt dirigiert wurde. Man hätte der Symphonie ruhig etwas mehr Ecken und Kanten lassen können.

Die zweite Konzerthälfte bot daraufhin die an Dramatik kaum zu überbietende 7. Symphonie in A-Dur (op. 92), die zehn Jahre jünger ist und sehr viel reifer in die Tiefe menschlichen Empfindens eindringt. Die Heiterkeit, die durchaus auch in dieser Symphonie zu finden ist, behält sich nun das Recht vor, auch im Augenblick des größten Frohsinns pathetisch und auf gewisse Weise traurig zu sein. Auch diese Symphonie wurde handwerklich beinahe einwandfrei dirigiert, erneut jedoch mit zu wenig Feuer und „Authentizität“. Nichtsdestotrotz begeisterte das Werk als krönender Abschluss des Konzerts das applausfreudige Publikum, das zurecht den Abend in schöner Erinnerung behalten wird.

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