Beethoven 6 & 3

Zwei von Beethovens Publikumsfavoriten sind in dieser Woche bei der Styriarte zu hören. Jérémie Rhorer und der Concentus Musicus Wien boten eine innige „Pastorale“ und eine brodelnde „Eroica“.

Jérémie Rhorer ; (c) Boris Horvat

Jérémie Rhorer ; (c) Boris Horvat

Es ist keine einfache Aufgabe Nikolaus Harnoncourt Platz zu übernehmen und seinen Plänen zu folgen. Der Franzose Jérémie Rhorer stieg nicht nur sicher in die großen Fußstapfen, sondern passte diese auch noch gekonnt seiner Form an. So wich er etwa von der ursprünglichen Absicht Harnoncourts ab und drehte die Reihenfolge der zwei Sinfonie um: erst die 6. und darauf die „jüngere“ 3. Sinfonie (den Grund hierfür legte er in der Einführung leider nicht offen). Der in alter Aufführungspraxis bewanderte Dirigent sieht in „Beethoven’s art the pure expression of the human soul“. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, ist der „natürliche“ Klang aus klassischen Zeiten der beste Weg zum Ursprung der Musik hin. Große Worte, auf die große Taten folgten.
Die „Sinfonie pastorale“ präsentierte Rhorer mit verminderten Gesten und ohne jede Hektik. Die führenden Geigen spielten mit starkem Ausdruck, während der Originalklang von Hörnern und Klarinetten ein weiches Fundament brachte. Die alten Instrumente stellten neue Anforderungen an den modernen Zuhörer. Es galt noch sorgfältiger und aufmerksamer die Ohren zu öffnen. Aber der Aufwand wurde belohnt, etwa wenn der originale Klang von Cello und Fagott fast unmerklich ineinander flossen zu einem einheitlichen, warmen Raunen. Die schwelgende Ruhe im Taktstock Rhorers verlor sich erst als das Gewitter des 4. Satzes sich drohend anschlich und mit Knallen und Rauschen vorüberzog. Mit strahlender Freude begannen die Musiker das Finale, das in gelassener Zufriedenheit verklingen durfte.

Concentus Musikus Wien ; (c) Werner Kmetitsch

Concentus Musikus Wien ; (c) Werner Kmetitsch

Einen Kontrast zur Gelassenheit der 6. brachte das straffe Tempo im Beginn der „Eroica“. Seine 3. Sinfonie (ursprünglich Napoleon gewidmet) versah Beethoven letztendlich mit dem Titel „dem Andenken eines großen Menschen gewidmet“. Die Pulsschläge des ersten Satzes zeigen sofort die Macht und Stärke der besagten Person auf. Rhorer gestaltete diese Akzente staccato mit manchmal betont ausgehaltenen Impulsen zum Ende der Phrasen hin, um auch die Beharrlichkeit in der Musik zu betonen. Durchwegs war ein lebhaftes Brodeln zu spüren, auch wenn es manchmal nur unter der Oberfläche durchschimmerte und sich im Scherzo schließlich bis zum Überkochen steigerte. Im finalen Satz zeigte der Concentus Musicus noch einmal den gesamten Beethoven’schen Einfallsreichtum auf. Einer fröhlich ploppenden Einleitung folgte ein technisch versiertes Variationsspiel. Die immer wieder aufflammende und ersterbende Leidenschaft dieses Finales forderte vom Zuschauer emotionale Standhaftigkeit. Der aufgebauten Spannung folgte großer Applaus.

Das Programm wird ein weiteres Mal heute (09.07.) um 20 Uhr im Stefaniensaal aufgeführt. Nachhören kann man die Musik am 24. Juli um 19:30 auf Ö1.

Mehr Informationen zum Konzert und weiteren Veranstaltungen der Styriarte unter:
http://styriarte.com/events/beethoven-3-6/?sti=20835

Advertisements

2 Kommentare zu “Beethoven 6 & 3

  1. Jérémie Rhorer hat seine Beweggründe für die Reihenfolge beim Einführungsgespräch dargelegt. Vielleicht war die Aufmerksamkeit oder das Englisch nicht ausreichend?

    • Ich glaube eigentlich dem Dirigenten bei der Einfügung meine ungeteilte Aufmerksamkeit geschenkt zu haben, aber bitte: klären Sie mich und die Leserschaft auf!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s