William Shakespeare trifft Charles Gounod

Am Wochenende premierte in Graz die französische Oper „Roméo et Juliette“. Fundierte Stimmen und eine klassische Regie sorgten für einen harmonischen Genuss aller Sinne.

Kyungho Kim als Romeo und Sophia Broker als Juliette ; (c) Werner Kmetitsch

Kyungho Kim als Romeo und Sophia Broker als Juliette ; (c) Werner Kmetitsch

Zweifelsohne ist Romeo und Julia eine größten und berühmtesten Liebesgeschichten der Weltliteratur. Unzähligen Adaptionen in Film und Theater steht interessanterweise allerdings nur eine Oper gegenüber, die sich bis heute auf den Spielplänen der Welt halten konnte. Das Werk von Charles Gounod hält sich bis auf kleine Abwandlungen stark an das literarische Original und reichert es durch lyrische Musik an. Ganz im „Pariser Sinn“ beginnt die Ouvertüre begleitet von einer Ballettszene. Die Tänzer zeigen mit ihren fließenden Bewegungen die Geschichte von Romeo und Julia in wenigen Minuten: vom Liebestaumel bis zum Liebestod. Die verkörpernden Sänger (Sophia Brommer als Juliette, Kyungho Kim als Roméo) sind stimmlich von Beginn an harmonisch aufeinander eingestellt, während darstellerisch das Knistern erst später einsetzt. Brommer präsentiert sich im ersten Akt technisch versiert aber etwas farblos. Erst als ihre Rolle den Geliebten als vermeintlichen Feind erkennt, scheint sie mit dem Satz „Cétait Roméo!“ (zu deutsch: Es war Romeo!) ihren eigenen Klang zu finden. Die folgende Arie singt sie zart und mit emotionaler Einfühlsamkeit. Ihr Partner Kyungho Kim zeigte einen strahlenden Tenor mit viel Durchsetzungskraft. In den Liebesduetten ergänzte sich die stimmliche Wärme Brommers mit der Stärke von Kim und resultierte in säuselnd ergreifenden Liebesbekenntnissen. Vor allem zu Beginn 4. Akts kommen alle Romantiker auf ihre Kosten. Hinter dem Vorhang erscheint ein Meer aus (echten!) Kerzen, in dem das junge Paar seine Hochzeitsnacht verbringt. Wenn Romeo dann singt „Es war die Nachtigall und nicht die Lerche“ schmilzt nicht nur das Kerzenwachs dahin.

Szene zu Beginn des 4. Aktes ; (c) Werner Kmetitsch

Szene zu Beginn des 4. Aktes ; (c) Werner Kmetitsch

Auch die übrigen Szenen sind von einer klassischen Schlichtheit dominiert. Erst im 5. Akt, als Julia nach dem Einnehmen ihres Scheintodestranks zu halluzinieren beginnt, wird das traditionelle Bild durch groteske Elemente erweitert. Die Inszenierung von Ben Baur lässt die klassische Geschichte auch sonst ihren ungestörten, vorhersehbaren Weg gehen. Die Hürde der großen Besetzung dieser Oper ist mit vielen Mitgliedern des Grazer Ensembles gut gemeistert. Auffallend in ihren verhältnismäßig kleinen Rollen sind Peter Kellner mit tragendem, klaren Bass und Anna Brull mit einer wendigen Sopranstimme. Die musikalische Leitung obliegt Robin Engelen der den lyrischen Charakter der Musik hervorhebt, aber manchmal etwas Würze vermissen lässt.

Nähere Informationen zum Werk unter:
http://www.oper-graz.com/production-details/romeo-et-juliette

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