Do not Cross the YELLOW LINE

Eine Kuh, die vom Himmel fällt. Ein lybischer Schiffbrücher, der von Frontex aufgegriffen kein Asyl in Europa will, sondern die Rückführung in die Heimat. Ein pauschalurlaubender Protestkünstler, ein Programm zur Optimierung von Milchleistung und Herdenmanagement. Und mittendrin der Irrglaube an die Freiheit. Jan Stephan Schmieding hat sich Juli Zehs und Charlotte Roos‘ verstörend komischer Geschichte über Flucht, Aktionismus, Freiheit und Sehnsucht angenommen.

(c) Lupi Spuma

(c) Lupi Spuma

Der Kuh, die stellvertretend für die Ökonomisierung des Individuums steht, gelingt vermeintlich, was vielen von uns nicht mehr zu gelingen scheint: Flucht aus dem hier und jetzt, aus den Zwängen unserer Zeit. Tagelang genießt sie die Freiheit, bis sie wieder gestellt wird. Um Individuen wieder in die Gesellschaft von Funktionieren und Produzieren zurückzuführen, werden ethisch zweifelhafte Methoden angewandt. Uns wird misstraut, sobald wir angeben glücklich zu sein. Uns wird misstraut, sobald wir Regeln in Frage stellen. Ob es nun der Rhythmus des Pauschalurlaubs (Fressen, Pool, Fressen, Pool, Fressen, Saufen) ist oder das übertreten einer gelben Linie, die auf den Boden gezeichnet ist. Warum respektieren wir auf den Boden gemalte Linien als Autorität? Warum gefällt es uns in einem Urlaubsresort in Entwicklungsländern eingesperrt zu sein, damit wir uns um nichts Gedanken machen müssen? Wo doch gerade hier das Denken einsetzen sollte! Wir verkaufen uns und unsere Werte und Errungenschaften. Aus Bequemlichkeit. Und geben der Illusion nach, dass wir hierbei an Luxus gewinnen. Aber verlieren wir nicht viel mehr?

Insgesamt ein Stück, dass zum Nachdenken anregt und welches hervorragend inszeniert ist. Wobei man fragen darf und muss, warum in gefühlt jedem dritten Stück Schauspieler*innen ihre Oberkörper entblößen müssen. Notwendig war es Falle von Vera Bommer jedenfalls nicht.

Weitere Informationen zu Besetzung und Terminen auf den Seiten des Schauspielhauses: www.schauspielhaus-graz.com

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