Tanzende Mäuse im Winterwald

Nirgendwo verschmelzen Realität und Phantasie so eindrucksvoll miteinander wie in kindlichen Träumen.

Foto: Werner Kmetitsch

E.T.A. Hoffmanns Geschichte vom Nussknacker und Mausekönig ist ein Klassiker zur Weihnachtszeit. Rund um die Welt steht in Theatern und Opern die Zeit still, wenn zur Musik von Peter I. Tschaikowski getanzt wird. Jörg Weinöhl verzichtet in seiner ganz besonderen Interpretation des Stückes gänzlich auf Text, stattdessen dürfen sich die Besucher auf eine wunderbar gelungene Mischung aus Ballett und Ausdruckstanz freuen.

Weihnachtsabend, die ganze Familie kommt zusammen, es gibt viele Geschenke. Für die Kinder unserer westlichen Welt ein ganz normales Bild. So auch für die kleine Clara, gespielt von Clara Pascual Marti. Inmitten des weihnachtlichen Trubels wirkt das Kind etwas verloren, in seinem zarten weißen Nachthemd, während es die Geschenke auspackt. Vom Patenonkel Droßelmeier bekommt das Mädchen einen Nussknacker. Während die Kinder mit den Geschenken beschäftigt sind, berichtet der Onkel den anderen Erwachsenen von seiner neuesten Erfindung: der Mausefalle.

Schlafenszeit, Clara wird zu Bett gebracht, die Bühne verwandelt sich, ein Vorhang wird herabgelassen, dahinter ein sanfter Tanz der Eltern. Die kleine Clara schwebt ins Traumland. Dort vermischen sich die abstrusen Erzählungen des Onkels und die kindliche Phantasie. In der Traumwelt besteht das Haus aus riesengroßen Mausefallen, die Familienmitglieder tragen gruselige Mäuse-Masken. Der Nussknacker, mit dem Clara in der Realität wenig anzufangen wusste, wird im Traum zum Beschützer. Umringt von unheimlichen Mausgestalten tanzen die beiden zu den dunklen Tönen Tschaikowskis.

Letzter Akt, das Bühnenbild verwandelt sich  in einen bezaubernden verschneiten Märchenwald, besonders auffallend sind Rosenblüten, die sich nun um die Mausefallen ranken, passend zu den sanften Klängen des Blumenwalzers. Die ganze Familie tanzt auf dem verschneiten See, der krönende Abschluss ist eine an Eiskunstlauf erinnernde Choreographie, an der alle Schauspieler beteiligt sind. Tosender Applaus vom Publikum.

Am Anfang des Stückes fällt vor allem das für die Grazer Oper unübliche, sehr schlichte Bühnenbild auf, umso aufwändiger ist es jedoch in Claras Träumen, um die phantasievolle kindliche Traumwelt zu unterstreichen. Die Oper Graz schafft es wie so oft, mit einer sehr außergewöhnlichen Inszenierung das Publikum von Jung bis Alt in seinen Bann zu ziehen. Das Stück versetzt alle in winterliche Stimmung und steigert die Vorfreude auf einen besinnlichen Weihnachtsabend.

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s