Der Revisor

Das 1835 von Nikolaj Gogol verfasste Stück, hat nichts an Aktualität verloren.

 

Korruption, unstillbare Gier, moralischer Verfall sowie mangelnde Integrität stehen in dem kleinen russischen Städtchen, in dem das Stück angesiedelt ist, an der Tagesordnung.

Amtsmissbrauch und Bestechlichkeit ziehen sich durch die ganze Gesellschaft, vom Stadthauptmann, zum Schulleiter, über den Richter, bis hin zu den Gutsbesitzern. Für besondere Erheiterung sorgten die Anspielungen auf gegenwärtige österreichische Ereignisse, so etwa die Erklärung des Postmeisters, der behauptet, er hätte das Postgeheimnis nur deshalb verletzt, weil der Kleber des Kuverts nicht gehalten hätte und der Brief aus dem Umschlag gefallen sei.

Die Geschichte ist schnell erzählt: In der Stadt verbreitet sich rasch das Gerücht, dass ein Revisor auf dem Weg ist zu ihnen sei und sich inkognito ein Bild von den Zuständen machen will. Daraufhin herrscht große Aufregung und Angst unter den Bewohnern, dass nun ihr kriminelles Verhalten ans Licht kommen könnte. Clestakow, der bereits seit zwei Wochen in seinem Quartier keine Rechnung beglichen hat, wird für den Revisor gehalten und von allen im Ort hofiert und reich beschenkt. Erst als dieser mit prall gefüllten Taschen die Stadt verlassen hat, klärt sich das Missverständnis auf.

Das Bühnenbild ist schlicht konzipiert, wird aber kreativ genutzt. Die Integration der Drehbühnenfunktion erfordert  von den Schauspielern zwar viel Körpereinsatz, die Bewegung wirkt aber kurzweilig und fesselnd.

Gelungen ist ebenso die musikalische Lautmalerei, die für Unterhaltung sorgt. Die Lautstärke bei einigen Passagen erzeugte jedoch Missmut im Publikum.

Die Kostüme sind auffallend plastisch und stereotyp gestaltet und so springen auch die Perücken als solche sofort ins Auge. Der Materialismus der verkörperten Figuren schlägt sich somit auch in ihrem äußeren Erscheinen nieder.

Mit Requisiten wird eher sparsam umgegangen, der Fokus liegt in dieser Inszenierung vor allem auf der Situations- und Typenkomik. Besonders begeistern konnte hier Julia Gräfner in der Rolle des Gutsbesitzers Dobtschinski. In Erinnerung bleiben werden vor allem ihr unübertreffliches Schmollen sowie ihre grandiose Tanzeinlage, die für Zwischenapplaus sorgte. Gräfner und ebenso ihr Kollege Benedikt Greiner, bringen eine Vielzahl von Figuren auf die Bühne, die nicht nur herzliche Lacher evozieren, sondern durch ihre grotesken Anspielungen bleibt auch das eine oder andere Lachen im Halse stecken.

Franz Solar ist in der Rolle des Stadthauptmann wie gewohnt sehr gut. Die Frau des Stadthauptmann wird gespielt von Christiane Roßbach, die hervorragend eine alternde Diva mimt, die ihr eigenes Glück und die Sehnsucht begehrt zu werden, über jede Moral stellt. Ihre raffiniert eingesetzte Stimme gibt der Rolle die nötige Würze und ruft Begeisterung hervor. Die Rolle der Tochter bekleidet Silvana Veit, die diese Figur schablonenhaft charakterisiert. Dargestellt wird hier ein Mädchen, das nicht um seiner selbst willen geliebt, sondern unabhängig von seinen Wünschen und Sehnsüchten in eine Rolle gezwängt wird und nur dem Wohl der anderen zu dienen hat.

Der mutmaßliche Revisor, gespielt von Raphael Muff, erscheint als schmieriger, kleiner Ganove, dessen unstillbare Gier und Selbstsucht überzeugend widerwärtig anmuten. Fredrik Jan Hofmann schwankt in der Rolle des Dieners zwischen Pflichterfüllung, Ehrlichkeit und Sehnsucht.

Die Schlussszene der gegenseitigen Zerfleischung wirkt zunächst irritierend, erweist sich bei näherer Betrachtung jedoch als treffendes Fazit einer grenzenlos gierigen Gesellschaft.

Das Credo des Stücks „Weiter wie bisher!“ ist somit an den Regisseur Stephan Rottkamp sowie an den Dramaturgen Jan Stephan Schmieding weiterzugeben.

Weiter Informationen zu diesem Stück finden Sie unter: http://www.schauspielhaus-graz.com/play-detail/der-revisor

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s