Liebe mit Schwalbenflügeln

Mit „La Rondine“ ist seit Donnerstag eine der selten zu hörenden Puccini-Opern in Graz zu erleben. Die Aufführung bezaubert mit tatkräftigen Solisten und einer stimmungsvollen Inszenierung von Rolando Villazón.

Sophia Brommer und Mickael Spadaccini (c) Werner Kmetitsch

Sophia Brommer und Mickael Spadaccini (c) Werner Kmetitsch

So hoffnungsvoll beginnt die Liebe von Magda und Ruggero, mit schüchternen Liebesandeutungen bis zur vollen Aufopferung. Doch wie so oft in der Oper, muss auch diese Liebe unglücklich enden. Den Weg vom Aufflammen der Liebe bis zum Ersticken gestaltet Puccini mit vielen lyrischen Arien und harmonisch fließenden Orchesterszenen. Schon im ersten Akt fühlt man sich bei schwelgerischen Klavierpassagen und säuselnden Geigen an ein Pariser Schäferstündchen erinnert. Inmitten dieser Szene steht Magda, die Schwalbe, die trotz ihres zweifelhaften Lebensstils ein unschuldiges, sehnsuchtsvolles Herz in sich trägt. Sophia Brommer gibt sich der Rolle mit einer wunderbar kultivierten und geschmeidigen Stimme hin. Wie passend scheint da die szenische Analogie, wenn sie mit einem Geigenbogen ihre Töne sanft an ihrem Gesicht entlang streicht. Als Gegenpart zur sanft Ruhevollen agiert Tatjana Miyus in der Rolle der Lisette. Als quirlige Zofe wirbelt sie mit jedem ihrer Auftritte das Geschehen auf. Dazu strahlt ihr wendiger junger Sopran, der einen anregenden Kontrast zur reifen Stimme Brommers bietet. Die Herzbuben der zwei Damen zeigen in ihrem Gesang ebenfalls gegensätzliche Färbungen. Während Pavel Petrov als Dichter Prunier eine klare Linienführung trotz gedämpfter Klangfarbe hat, zeigt der Tenor von Mickael Spadaccini etwas unkontrollierte Höhenausbrüche. Im Duett mit Magda ist er jedoch stets um harmonischen Zweiklang bemüht, wobei sein weiches Piano die Stimme seiner Partnerin besonders umschmeichelt. Die charakterliche Vielfältigkeit der zwei Liebespaare sorgt für Kurzweiligkeit in Handlung und Musik.

Szene aus dem 2. Akt (c) Werner Kmetitsch

Szene aus dem 2. Akt (c) Werner Kmetitsch

Die musikalische Leitung unter Marco Comin lässt den Chor und das Philharmonische Orchester der Oper Graz die einzelnen Elemente harmonisch verbinden. Startenor Rolando Villazón hüllt die muntere Geschichte mit ernstem Ende in ein Kleid voll Vielschichtigkeit und bunter Farben. Die Produktion der Deutschen Oper Berlin ist gezeichnet von Kunstanalogien und Kontrasten in Kostümen und Szenerie. Schön und verwegen ist der Beginn, ausgelassen und schrill der zweite Akt, bis im Finale zumindest auf der Bühne eine äußerliche Ruhe eintritt. Ein gelungener Einfall sind die drei stummen gesichtslosen Beschützer Magdas, die die Masse von ihr fernhalten versuchen und ihr zumindest bildlich Flügel angedenken. „Wie eine Schwalbe fliegt sie übers Meer in ein helles Land der Träume“, wird es der Schönen prophezeit. Doch als Ruggero am Ende zu einem jener gesichtslosen Geschöpfe ihrer Vergangenheit wird, ist klar, dass sie als Schwalbe alleine weiterziehen muss. Anmutig geht sie in Richtung Himmel ab und verabschiedet sich von ihrem Glück mit einem zart flatternden, herzzerreißenden Ton.

Weitere Informationen zur Oper unter:
http://www.oper-graz.com/production-details/la-rondinedie-schwalbe

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