Violine, Fatum & Trepak – Tschaikowsky im Musikverein

Am 16. Und 17. Oktober fanden zwei Vorstellungen der Wiener Symphoniker unter der Leitung des griechischen Dirigenten Teodor Currentzis als Orchesterkonzert des Musikvereins Graz statt, die zwei der großen Werke Tschaikowskys darboten: das Violinkonzert (in D-Dur, op. 35) mit Patricia Kopatschinskaja an der Geige und die 4. Symphonie (in f-Moll, op. 36).

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(c) Musikverein Graz

Tschaikowskys Violinkonzert gehört zu den bekanntesten und meistgespielten, obgleich (oder vielleicht gerade weil) es als eines der am schwierigsten zu spielenden gilt. Die herausragende Bedeutung der Violine zeigt sich zudem nicht nur durch die vielen teils langen und anspruchsvollen Passagen ohne Orchesterbegleitung, sondern auch durch die Aufgabe, den oftmals chaotisch anmutenden Stellen jene Energie zu verleihen, die erst die Seele des Werks ausmacht. Im Idealfall verwandelt sich hierdurch vor allem der 1. Satz zu einem Kampf des Willens (respektive der Hauptmelodie), zum existentiellen Ringen, zum Kampf der Harmonie gegen den Verfall durch Widerstand und Mattheit. Patricia Kopatschinskaja vermochte es m.E. nicht, dieses bedeutende  Gefühl zu vermitteln, sondern vertiefte sich zu sehr in künstlerische Selbstinszenierung, die von der etwas leblosen und oftmals unnötig phantasievollen Interpretation Currentzis unterstrichen wurde. Gekonnt, heiter und barfuß (sic!) spielte sich Kopatschinskaja unterhaltsam in höchste Erregung, jedoch ohne die Essenz des Konzertes vermittelt zu haben. Schade für den Autor dieser Rezension, erfreulich für das begeistert applaudierende Publikum.

Nach der Pause wurde die 4. Symphonie Tschaikowskys aufgeführt, deren „Fatum“ drückend und intensiv von der Anfangsfanfare bis zum letzten Ton berührte und vor allem mit dem Andantino tief ins Innere des Zuhörers drang und den für Tschaikowsky typischen Weltschmerz mit traurigem, bejahendem Optimismus vermengte. Leider wurde auch hier Currentzis Interpretation genau an den falschen Stellen kreativ und brachte Leichtigkeit in die sonst gewohnt ergreifenden Melodien. Der berühmte Trepak aus der Nussknackersuite beendete schließlich als Zugabe den Orchesterabend und entließ eine großenteils zufriedene Zuhörerschaft, die sich endlich fröhlich und beglückt zu Garderobe und Ausgang schob.

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