Im Idealfall der Hoffnung

Vergangenen Samstag feierte „Die Wunderübung“ nach dem gleichnamigen Daniel Glattauer Roman im Grazer Schauspielhaus Premiere und lieferte unter der Regie von Mario Matthias eine kurzweilige Komödie gepaart mit starkem Schauspiel. 

„Ich weiß ehrlich gesagt nicht wo ich anfangen soll…“, beginnt Joana Dorek (Margarethe Tiesel) die Eheberatung mit Mann Valentin (Franz Solar). Nachdem ihre Beziehung eher schlecht als recht läuft und die verbalen Messer schon mit Routine gewetzt werden, bevor es in Kampfstellung geht, muss der der Paarberater (Johannes Silberschneider) Abhilfe leisten und als gute Seele zwischen den verhärteten Fronten vermitteln. Hierbei wird der alte Dreck der vergangenen Jahre zu Tage befördert: Valentins Techtelmechtel mit Brigitte, Joanas Überforderung mit den Kindern, der fehlende Gleichklang und das gemeinsame Gegeneinander. Alte Wunden sind zum Zerreißen gespannt und warten nur darauf, wieder zum Bluten gebracht zu werden. Auf die Frage, ob Hoffnung auf Frieden zwischen den zwei Streithähnen gehegt werden darf und die Wunderübung ihrem Namen gerecht wird, sei nur so viel gesagt: Probleme lösen sich zwar nicht auf wundersame Weise in Luft auf, aber manchmal kann ein Schubs in die richtige Richtung schon einem kleinen Wunder gleichen.

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Margarethe Tiesel (Joana) und Franz Solar (Valentin) Foto: Lupi Spuma

 

„Die Wunderübung“ – Eine Inszenierung, die versucht auf humoristische Art und Weise das Problem einer verwahrlosten Ehe aufzugreifen und mit den tiefen Gräben, die sich im Laufe einer zwischenmenschlichen Beziehung auftun, spielt. Es geht um vermeintlich verlorene Lebenszeit, die Rolle des emotionalen Prellbockes und die Gleichgültigkeit dem gegenüber, wie der einst geliebte Herzensmensch das Leben lebt.

Das ist kein Türschloss, das ist kein Kühlschrank, das ist kein Tresor, das ist keine Sardinenbüchse. Das ist ein Herz. Das ist mein Herz!

Im Grunde ein ernstes Thema, das im Haus 1 mit spitzer Zunge und einer großen Portion Witz auf die Bühne gebracht wird. Eine Kulisse, im klischeehaften Therapeuten-Loft-Stil überzeugt im gleichen Fall wie die schauspielerische Leistung der Darsteller. Sowohl leise Momente, wie auch lautstarke Wortgefechte werden von dem Trio angenommen und erstklassig gespielt – Was die heitere Intervention schlussendlich zu einem reizvollen Abend macht.

Mehr Details über „Die Wunderübung“: http://www.schauspielhaus-graz.com/play-detail/die-wunderuebung

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