Grenzgängerin

Wiederaufnahme von „BUNNY“ im Grazer Schauspielhaus unter der Regie von Jan Stephan Schmiedling.

Katie (Henriette Blumenau) ist eine 18- jährige  Teenagerin aus London, die unfreiwillig den Spitznahmen „Bunny“ trägt, aber nicht unschuldig daran ist, auf diesen sexualisierten Kosenamen reduziert zu werden. Katie hat ein Problem: Sie sucht sich leider die falschen Freunde bzw. Männer aus. Die einzige Freundin, die Katie hat, ist eher eine beste Freindin, die Katie gerne an ihr Übergewicht erinnert. Dabei ist Katie selbst gar nicht das Problem,  sondern ihre Eltern und ihr Freund Abe und sein Kumpel Asif. Katie will doch nur gefallen und es allen recht machen. Nach außen präsentiert sich Katie als  eine brave, tüchtige und fleißige Schülerin mit überdurchschnittlich guten Noten, die im Orchester Klarinette spielt. Hoch zugeknöpft in ihrer Schuluniform, ist sie so wie ihre Eltern und das Schulsystem in England sie haben wollen.

Katie kann diesen Schein von einer zielstrebigen, gehorchenden Tochter und Schülerin nicht aufrechterhalten und bricht aus. Ihre Ausbrüche und  ihre Rebellion zeigen sich in einer Art von Kleptomanie,  die sich beispielsweise durch das Stehlen von Putzmitteln und Schwämmen manifestiert, sowie durch ihre Rachlust, die sich sowohl im Zerkratzen des Autos von ihrem Vater niederschlägt, als auch im Beimengen von Hackfleisch in die Waschmaschine  ihrer Französischlehrerin. Das wahre Problem dieses Teenagers ist der soziale Druck in einer Leistungsgesellschaft. Alleine die Tatsache, dass ihr Vater die Universitäten bestimmt, auf  die sie gehen soll, und sogar bei den Aufnahmeprüfungen dabei ist, um seine Tochter kontrollieren und überprüfen zu können, ist erschreckend. Katies Vater ist ein untreuer und dominanter Mann, der in seinem Verhalten an Helikoptereltern erinnert. Ihre Mutter hingegen ist eine ohnmächtige, passive Frau, die sich ständig um Katie sorgt und in Heulkrämpfe ausbricht.

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Foto: Lupi Spuma

Also funktioniert Katie. Sie lernt sich anzupassen um ja nicht aufzufallen. Aber auch in der Schule wird sie vor der ganzen Klasse von ihrer Französischlehrerin gedemütigt. All diese Wut staut sich in Katie auf und sie  findet ihr Ventil in ihrem Freund Abe, einem Schwarzafrikaner,  der im Büro arbeitet, und ein paar Jahre älter als Katie  ist. Ihre Freunde  Abe und Asif, ein Pakistani, geben ihr den Nervenkitzel und Adrenalinkick, der sie aber auch an ihre Grenzen stoßen lässt und weil sie ein verkopfter Mensch ist, denkt sie zu viel nach. Katie  provoziert gerne, nicht nur verbal sondern auch mit ihrer Sexualität und ihren weiblichen Reizen. Zum Beispiel trägt sie den Rock zu kurz und macht die Bluse auf , um einen besseren Einblick in ihr Dekolleté zu gewähren. Sie prahlt mit ihrer sexuellen Freizügigkeit, welche von Asif schamlos ausgenutzt wird. Im Originaltext, vom britischen Autor Jack Thorne, wird die sexuelle Komponente ausgereizt und ausgestellt. Somit ist der 70 minütige Monolog, der eine Nacherzählung von Katies Lebensabschnitt ist, ein unglaublich frecher, obszöner und sprachlich versexter Text. Dieser Monolog wird von Henriette Blumenau meisterhaft gespielt. Man merkt sofort: Die Schauspielerin hat eine Spielfreude und Spaß am Text. Der Regisseur hat das Bühnenbild bzw. die Spielwiese stark reduziert. Es besteht nur aus einem pinken Schulspind, einer pinken Bank und einer Reifenschaukel. Das Publikum, welches aus recht jungen Zuschauern bestand, konnte sich offensichtlich mit der Figur und ihrer Jugendsprache (Mit Ausdrücken wie: „Das ist voll Porno“ und „Wir cruisen im Auto“) identifizieren und sich vor allem laut darüber amüsieren.

Mehr Details: http://www.schauspielhaus-graz.com/play-detail/bunny

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