Krieg. Jetzt. Hier.

Inspiriert von Jane Tellers Essay „Krieg – Stell dir vor, er wäre hier“stellt sich das Next Liberty gemeinsam mit dem Theater am Ortweinplatz der Herausforderung und bringt ein Gedankenexperiment auf die Bühne, das dem Prädikat wertvoll verdächtig nahe kommt. 

,,Was macht Heimat für dich aus? Ist Krieg überhaupt vorstellbar? Wohin würdest du fliehen, wenn du müsstest?“ – Diese und ähnliche Fragen stehen im Mittelpunkt, wenn unter der Regie von Georg Schütky, 17 Jugendliche das Thema Krieg aufgreifen und die verschiedenen Aspekte, die damit einher gehen, verhandeln. Stets im Hinterkopf, dass es ein privilegiertes Leben ist, das der Westen lebt, treten die DarstellerInnen auf und holen den Krieg dorthin, wo er kaum vorstellbar ist: Vor die eigene Haustüre. Granatsplitter im Körper der Schwester, eine Bombe trifft das Wohnheim der Großeltern, die Mutter krank vor Angst um die Zukunft der Kinder, Hunger und Kälte beinahe als ständige Begleiter – ein Perspektivenwechsel im Sinne Janne Tellers, der nur schwer zu ertragen ist.

Ich hoffe, dass dieser Text unpolitisch gelesen wird, als eine Einladung an das Vorstellungsvermögen. Eine Einladung, das Leben der anderen nachzuvollziehen, ein Schicksal, das hoffentlich nie unser eigenes sein wird. Dafür sind wir alle verantwortlich. (Janne Teller)

In einer Zeit, in der mehr als 60 Millionen Menschen auf der Flucht, aber vor allem auf der Suche nach Sicherheit sind, kommt „Krieg – Stell dir vor, er wäre hier“ wie gelegen. Ohne zum Mitgefühl zu drängen, bauen die 17 AkteurInnen eine Mauer der Kritik und lassen die allgemeinen Fragen, die in punkto Krieg aufkommen könnten, für sich sprechen. Wie ist es in Zelten zu schlafen und welcher Vorrat an Lebensmitteln macht Sinn? Kann man die Vergangenheit hinter sich lassen oder brennt sie auch noch auf sicherem Terrain wie Feuer unter der Haut? Von den Problemen mit dem Asylantrag und der Sache mit dem Fremdenhass ganz zu schweigen.

Spaltung, innere Zerrissenheit und das Gefühl an verschlossenen Türen zu kratzen – Auch die Besucher des Stückes bekommen es am eigenen Leib zu spüren, wie es ist, in die Unsicherheit gestoßen zu werden. Schon zu Beginn ist die Teilung voll im Gange – Blutgruppe , Geburtsdatum und die Frage nach persönlichen Fähigkeiten, die einem im Krieg zu Gute kommen, entscheiden wo man sitzen darf. Plötzlich von der Begleitperson getrennt und inmitten unbekannter Gesichter, kann man nur annähernd erahnen, was es heißt, sich verloren zu fühlen.

 

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Foto: Lupi Spuma

 

Gepaart mit  Licht und Video-Installationen, einem grandiosen Essay als Ausgangspunkt und nicht zuletzt der eindrucksvollen Leistung der jungen DarstellerInnen, hat man mit „Krieg-Stell dir vor, er wäre hier“ eine Inszenierung vor sich, die den Nerv der Zeit schonungslos trifft. Während Gewalt und Terror für viele von uns kaum nahbar wirken und Frieden, vor allem für jüngere Generationen, eine Selbstverständlichkeit ist, stellt die Produktion etwas Raum zur Verfügung, um sich den Beweggründen der Fliehenden annähern zu können. Tiefsinnig, zielsicher und sehr berührend!

Mehr Details zum Stück ,,Krieg – Stell dir vor, er wäre hier“ gibt es unter: http://www.nextliberty.com/stueck_detail.php?id=114855.

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