…wenn nur noch ein Wunder hilft

Es gibt viele verschiedene Vorstellungen einer funktionierenden Partnerschaft. Wenn aber aus dem einst harmonischen Miteinander ein nervenaufreibender Kampf geworden ist, hilft vielleicht nur noch eine Paartherapie. Einer solchen darf man bei Daniel Glattauers „Wunderübung“, derzeit zu sehen im Schauspielhaus, beiwohnen.

So kämpft nun der Inbegriff eines Paartherapeuten in Rollkragenpulli und Samtsakko, der seriöse und verständnisvolle Herr Magister Harald (Johannes Silberschneider), um die Ehe seiner Klienten Valentin (Franz Solar) und Joana Dorek (Margarethe Tiesel). Aus der Liebesgeschichte, die beim Tauchurlaub vor 20 Jahren begann, entwickelte sich eine verbale Kampfzone aus bissigen Vorwürfen, untergriffigen Anklagen und gegenseitigen Beschuldigungen. Selbst der Herr Magister muss dem Ehepaar zugestehen, dass sich ihre gehässigen Wortgefechte durch eine Polemik höchsten Grades auszeichnen – Übung macht eben den Meister. Seine Bemühungen, dem Paar Dorek durch gefühlsbetonte, selbstreflexive Übungen die positiven Seiten ihrer Beziehung zu verdeutlichen, scheitern kläglich und bieten lediglich Anlass für neue Tiraden von Anschuldigungen.

So stellt sich das Ehepaar als hoffnungsloser Fall dar, die logische Konsequenz scheint die Trennung. Erst im zweiten Akt ist dann plötzlich alles anders: Mit den Beziehungsproblemen des Herrn Magister Harald konfrontiert, hat sich ein verbindendes Ziel gefunden. So zeigen sich durch die „Wunderübung“ doch noch jene Gemeinsamkeiten, die im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte verloren gegangen sind und bescheren Ehepaar und Publikum, wie könnte es anders sein, ein Happy End.

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DIE WUNDERÜBUNG Margarethe Tiesel, Johannes Silberschneider, Franz Solar (c) Lupi Spuma

Damit ist „Die Wunderübung“ das theatralische Pendant zu einem „Feel Good Movie“ – man wird zwei Stunden durchaus gut unterhalten, während die Handlung locker-leicht an der Oberfläche dahinflockt. Allerdings wird dabei besonders im ersten Akt die Komik durch klischeebehaftete Rollenbilder getrübt: Sie fühlt sich mit Haushalt und Kindern allein gelassen, er möchte nach einem anstrengenden Arbeitstag nur das Essen auf dem Tisch und seine Ruhe haben. Auch durch die Gestik wird das stereotypische Rollenbild immer wieder bedient – so spielt sie verträumt mit ihrer Bluse, während er breitbeinig-männlich seinen Platz auf der Therapeutencouch behauptet. Hier wird jedoch wenigstens eine gewisse Selbstironie bewiesen, wenn die Klienten die Rollen tauschen müssen und dabei mit der Überspitzung ihres Gehabes spielen.

Lässt man diese Punkte außen vor, kann man sich an der eindrucksvollen schauspielerischen Leistung und einer leichten und dennoch durchdachten Handlung erfreuen. Komplementiert wird die Inszenierung noch mit einem einfachen, aber ansprechenden Bühnenbild: Durch kleine Details, wie das schief hängende Bild eines Paares, wird die Idee der „Wunderübung“ aufgegriffen. So wird das Publikum mit einem Lächeln und vielleicht einer etwas offeneren Vorstellung von der idealen Beziehung entlassen.

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