Rebellion im Zirkuskonstüm

Operette in drei Akten, nach Emmerich Kálmán, Libretto von Julius Brammer und Alfred Grünwald


Die Aufgabe einer Operette besteht darin, die Realität ins Lächerliche zu ziehen. So ist Emmerich Kálmáns Zirkusprinzessin eine Parodie auf die Standesgesellschaft von gestern und die Titellandschaft von heute.

In dem Stück kollidieren, wie es der Titel schon verspricht, zwei Welten miteinander: Adel und Zirkusluft, Hochmut und Fantasie, St. Petersburg und Wien, Liebe und Eifersucht.

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(c) Werner Kmetitsch/ Oper Graz

Der Handlungverlauf wird durch zwei parallele Liebesgeschichten bestimmt: Da ist die kapriziöse Fürstin Fedora (Regina Riel), welche nicht nur die Bühne exzellent beherrscht, sondern auch die Männerwelt. So sehr diese sie auch umgarnen möge, öffnet sie doch keinem der Anwärter ihr Herz. Das muss auch Prinz Sergius (Ivan Oreščanin) leidvoll erfahren. Aus Rache für die Zurückweisung ersinnt der unglücklich Verliebte einen hinterlistigen Plan. Als der Zirkus Stanislawski in der Stadt gastiert, gewinnt er den geheimnisvollen Mr. X (Fedja Palinski) für sich. Der Künstler, der während des Auftritts stets eine Maske trägt, soll die Verkleidung ablegen und – als vermeintlicher Prinz Korossow- um der Dame Hand anhalten. Fedora verliebt sich auf der Stelle in den reichen Schönling, Prinz Sergius lacht sich einstweilen ins Fäustchen.

Beim zweiten Liebespaar ist das Vermögen umgekehrt verteilt. Toni (Alexander Kaimbacher), Sohn einer Wiener Hotelerbin, ist hingerissen von der zierlichen Miss Mabel (Sieglinde Feldhofer), die als Schmetterlingsfrau durch die Manege flattert und sich vom Tollpatsch gänzlich unbeeindruckt zeigt. Erst durch die Offenbarung seines Reichtums kann er ihr Herz gewinnen.

So stürzen sich die beiden Paare Hals über Kopf in die Heirat. Doch kaum ist das Jawort gesprochen, lässt Prinz Sergius die Bombe platzen und enthüllt die wahre Identität des adeligen Bräutigams. Fedora sieht ihr Glück davonschweben und ruft verzweifelt: „Eine Frau ohne Vermögen ist ein Nichts!“Auch Toni und Mabel erwartet kein unbeschwertes Eheleben. Die Hoteliersfrau ist ob der unstandesgemäßen Heirat ihres Sohnes entsetzt.
Zu guter Letzt wendet sich aber doch noch alles zum Guten. Fedora verzichtet auf den Ruhm und folgt ihrem Mann in den Zirkus, während Tonis Mutter der unkonventionellen Heirat  ihr Einverständnis gibt.

Auf den ersten Blick ist die „Zirkusprinzessin“ ein unterhaltsamer Operettenabend, der nicht zuletzt auch durch das bunte Treiben auf der Bühne überzeugt. Die Vielzahl an glitzernden Kostümen und Trikots ist eine wahre Augenweide. In der Manege treffen lustige Clowns und verführerische Tänzerinnen auf strenge Dompteure und wilde Tigerkatzen. Sogar die Freiheitsstatue gesellt sich mitten unter die Feiernden. Wie in einem echten Zirkus staunt man über Trapezkünstler, die an den Gerüsten ihre Muskeln spielen lassen. Lodernde Flammenwerfer und knallende Pistolenschüsse lassen das Herz zwischendurch schneller schlagen. Der Wiener Schmäh umrandet die Vorstellung. Zunächst gewöhnungsbedürftig, sorgt er im weiteren Spielverlauf für die notwendige Authentizität. Die musikalischen Einlagen sind  eingängig und dramatisch zugleich.

Was aber, wenn die Masken fallen? Hinter der vermeintlich ausgelassenen Atmosphäre verbirgt sich eine bissige Kritik an einer Epoche, in der Menschen nach unterschiedlichen Gesellschaftsschichten kategorisiert wurden, wo sich selbst die Liebe einem Statusdenken zu unterwerfen hatte. Fedora genießt die Zirkusvorstellung und verachtet gleichzeitig jene Menschen, die dort ihr Brot verdienen. Das ist an Oberflächlichkeit kaum zu übertreffen.

Was 1926 der Adel war, nennt sich heute Titelverliebtheit. Klassendenken ist weiterhin en vogue. Geblieben ist aber auch die Sehnsucht nach mutiger Liebe – und die Hoffnung, dass diese stärker sein möge als die Gier nach Vermögen.

Informationen zu weiteren Vorstellungen: Hier klicken!

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