Per Wunderübung zum Eheglück

Der frühere Standard-Kolumnist und Buchautor Daniel Glattauer rettet in seinem ersten Theaterstück „Die Wunderübung“ eine zerrüttete Ehe. Die Inszenierung des jungen Regisseurs Mario Mattias lässt die 502 Zuschauer/innen im Schauspielhaus Graz im Sekundentakt in schallendes Gelächter ausbrechen.

wunderubung_1

Das Ehepaar Dorek steckt in der Krise. (Foto: Lupi Spuma/Schauspielhaus Graz)

So könnte es in jedem österreichischen Haushalt vorkommen. Joana (Margarethe Tiesel) und Valentin Dorek, gespielt von Franz Solar, sind das typische Mittelstands-Paar mit zwei Kindern im Teenager-Alter und einer 20-jährigen Ehe, in der alle Leidenschaft und Verliebtheit verloren scheint. Sie beugen sich dem Wunsch ihrer Tochter und suchen einen Paartherapeuten (Johannes Silberschneider) auf.

Es strotzt nur so an Klischees: Eine Ehe, die am jahrelangen Alltagsleben zu zerbrechen droht, ein Paartherapeut, der mit seinen runden Brillen ebenso prototypisch wirkt wie sein Behandlungsraum mit beigem Teppichboden und Zimmerbrunnen. Trotzdem liefert Glattauer einmal mehr, was er in seinen Kolumnen und Romanen abermals bewiesen hat: In seinen Dialogen gibt es keine einzige Zeile ohne Witz; er bietet den Menschen einen humoristischen Blick auf das ganz normale Leben, in das sich jeder hineinfühlen kann.

Das Gezanke geht los, sobald die Eheleute Dorek auf der braunen Ledercouch des Therapeuten Platz nehmen. Die Frage nach den gegenseitigen Stärken lässt sie abrupt verstummen, während sie bei Vorwürfen nicht lange überlegen müssen. Natürlich ist immer nur der andere schuld – „wir haben uns auseinandergelebt“, gesteht sich Valentin ein. Der Konter seiner Frau lässt nicht lang auf sich warten: „Du hast uns auseinandergelebt!“

Die Historikerin Joana fühlt sich, wie so viele Frauen, seit Jahren mit den Kindern alleine gelassen und nicht wertgeschätzt. Ihr Mann hingegen wirft ihr vor, immer nur Arbeit in allem zu sehen und die Lust am Leben verloren zu haben. Obwohl es dem Therapeuten gelingt, einige Erinnerungen an eine glückliche Zeit ins Gedächtnis zu rufen, eskaliert die Situation, als die Kinder ins Gespräch kommen. All seine Übungen scheinen hilflos – doch der Herr Magister hat noch ein Ass im Ärmel.

Der zweite Akt hält so manche Überraschung bereit

Die Handlung des ersten Aktes unterhält köstlich – aber ist vorhersehbar. Das ändert sich im zweiten Akt, als der Paartherapeut plötzlich via iPhone von seiner Frau verlassen wird. Die Gründe sind die gegenteiligen der Doreks: Er sei zu lieb, zu sanft und zu aufmerksam. Sie brauche mehr Reibung, um nicht an seiner Seite zu erfrieren. Diese Erkenntnis eröffnet dem Ehepaar eine ganz neue Perspektive auf ihre Liebe – sich mögen sich oft genug reiben, aber „lieber dreimal verglühen als einmal erfrieren“.

Margerethe Tiesel fühlt sich in ihrer Rolle sichtlich wohl. Obwohl die Dialoge nicht überraschen, überzeugt sie mit Würze und Witz das Publikum, das mit lauten Lachern dankt. Ihr Partner Franz Solar spielt den genervten Ehemann ebenfalls unterhaltsam. Der Paartherapeut Johannes Silberschneider wird zum Kassenschlager und liefert die heiß ersehnte Schlusspointe – die sei an dieser Stelle jedoch nicht verraten.

Das Stück in der Inszenierung von Mario Matthias zeigt, dass abgedroschene Klischees lustig sein können, wenn man mit ihnen umzugehen weiß. Ein unterhaltsamer, leichtfüßiger Abend ohne Tiefgang, mit bewährtem Witz aus der Feder von Daniel Glattauer.

Weitere Informationen zum Stück und Termine finden Sie hier.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s