Das ist echt. Das ist die Realität. Komm damit klar.

Ein Spiel, bei dem das Schicksal ordentlich zuschlägt gepaart mit den facettenreichen Bürden des Erwachsenwerdens, gibt es unter dem Titel „Zementgarten“ basierend auf dem gleichnamigen Roman von Ian McEwan noch bis zum 28. April im Theater am Ortweinplatz zu sehen.

Aus sechs mach vier: Vor geraumer Zeit der Vater, dann die Mutter – Als kurz nacheinander die Eltern sterben, sind die verbleibenden Kinder der Familie auf sich allein gestellt. Aus Angst gegen Windmühlen kämpfen zu müssen und voneinander getrennt zu werden, beschließt das Vierergespann (gespielt von Valentin Marsoner, Anna Weber, Gabriel Zinganel, Erna Zuhric) das plötzliche Ableben zu verheimlichen und siehe da: Das Verschwinden der Mutter fällt kaum auf und dass ihr toter Körper kurzerhand im Keller einzementiert wurde noch viel weniger. Doch was bleibt sind vier Jugendliche, von denen keiner so recht weiß, wie man mit dem Verlust eines geliebten Menschen umgeht. Julie versucht die schützende Hand über ihre Geschwister zu legen, während Jack zuschlägt, wenn ihm die Worte fehlen. Sue dokumentiert den Alltag akribisch mit der Videokamera und Tom, der Jüngste, fängt an sich in Frauenkleider zu hüllen. Lachen-streiten- irgendwie klarkommen wird zum Alltag der Vier und beginnt seltsame Blüten zu tragen, denn nicht nur der junge Tom probiert sich aus – Auch Jack und Julia kommen sich immer näher. Als die Grenzen bis zum Geht-nicht-mehr ausgelotet werden schaltet sich jedoch Julies Freund Derek (gespielt von Sebastian Schmid) ein, der nicht nur das Verhalten der Geschwister sonderbar findet, sondern auch den Geruch, der aus dem Keller strömt.

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C. Nestroy. ©

 

„Zementgarten“ – Eine Inszenierung unter der Regie von Helmut Köpping, die sich dem Spielzeit-Motto des Theater am Ortweinplatzes angepasst hat und sich als Schlagabtausch der Extremen  in die Sammlung der vergangenen Produktionen einreiht. Bis zum Äußersten zu gehen ist das oberste Credo – ein Vorhaben, das hier geglückt ist. Mit dem Roman von Ian McEwan im Gepäck füllt die Vorstellung einen Abend, der sich als vermeintlich betrübt mit humoristischer Komponente vorstellt, sich jedoch später als skurrile Erscheinung entpuppt. Denn: Wie eine Wolke schwebt der Tod der Mutter anfangs noch über den Köpfen der Protagonisten, doch im Laufe der Zeit bleibt die Leiche im Keller nicht mehr, als eine bloße Tatsache. Vielmehr ist es das Handeln der Hinterbliebenen, das aufrüttelt. Sich selbst überlassen läuft das Miteinander der Geschwister aus dem Ruder und als Zuschauer darf man den Tabus beim Brechen zuhören. Die transsexuelle Neigung des Jüngsten und die inzestuösen Gefühle zwischen zwei der Protagonisten ergeben den Gipfel der Eskalation. Fragwürdig, ob man diese Details mit dem Fehlen der elterlichen Autorität in Verbindung bringen darf, aber ob das Dargestellte schlussendlich nett anzusehen und leicht zu ertragen ist, sei ohnedies dahingestellt. Was jedoch erwähnt werden darf, ist die Leistung der jungen AkteurInnen: Mal schreiend, mal schweigend, mal was dazwischen bespielen sie die Bühne und geben dem Stoff aus Ian McEwans Feder ein Gesicht, das einem auch nach Ende der Vorstellung noch in Erinnerung bleibt und auf Grund der behandelten Themen allemal diskussionswürdig ist.

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C. Nestroy. ©

 

Mehr Informationen gibt es hier:

http://www.tao-graz.at/webpages/57d6ba6a0414151ea0000120

 

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