Mit Balleinsatz aus der Schuldenfalle

Prunkvolle Villen, grüne Vorgärten, ein Schwimmbad für Alteingesessene und die Abwesenheit eines türkischen Schnellimbisses. Ein kleines Fleckchen heile Welt, links der Mur, all das ist Geidorf. Doch der Schein trügt.

Hinter bröckelnden Fassaden trifft sich eine sechsköpfige Selbsthilfegruppe zum wöchentlichen Tischtennisspiel. Sechs Frauen, die dasselbe Schicksal eint. Ob Versicherungsbetrügerin (gewitzt: Beatrix Brunschko), gescheiterte Jungunternehmerin (zerstreut: Vera Bommer), einsame Witwe (selbstbewusst: Martina Zinner), verzweifelte Künstlerin (verletzlich: Gabriela Hiti), ob spielsüchtig (stur: Pia Hierzegger) oder obdachlos (liebenswert: Silvana Veit): Allesamt sind sie bankrott.

Doch so schnell geben sie sich nicht geschlagen. Das gemeinsame Ping-Pong-Training schärft ihren Verstand und macht aus den hilflosen Verschuldeten rebellische Frauen. Dieser Wandel von der ohnmächtigen Opfer- hin zur selbstbewussten Kämpferrolle ist bemerkenswert.

Das Tischtennisspiel bestimmt den Handlungsverlauf von der ersten bis zur letzten Sekunde. Dabei spielen die Frauen aber nur auf den ersten Blick gegeneinander. Tatsächlich sagen sie einem gemeinsamen Feindbild den Kampf an: Nieder mit dem Kreditschutzverband, den Banken, Anwälten und Spielkonzernen!

Die Matches werden nur durch kurze Songeinlagen unterbrochen, bei denen jeweils eine der Frauen ein selbst komponiertes Lied über die Schulden zum Besten gibt.
Das gegenseitige Aufstacheln stärkt die sechs Verbündeten für das große Finale: ein Juwelenraub mitten in der Grazer Innenstadt. Was Ocean 11 kann, schaffen die emanzipierten Geidorferinnen schließlich mit links. Der Coup gelingt tatsächlich, die Spur verläuft im Nirgendwo – und führt ganz sicher nicht nach Geidorf.

Foto: Johannes Gellner(c) Johannes Gellner

Fazit

„Geidorf´s Eleven“ ist eine gelungene Performance des beliebten Grazer Theaterkollektivs Theater im Bahnhof.Gekonnt sorgt schwarzer Humor  für ein durchgehend lachendes Publikum. Einziger Kritikpunkt: Hin und wieder rücken kritische Aussagen oder Informationen gerade dadurch in den Hintergrund.  Etwa dass Schulden in Afrika dazu dienen, den sozialen Kontakt  aufrecht zu erhalten.
Mit einem Tischtennistisch als Mittelpunkt der Inszenierung ( Regie: Helmut Köpping) wurde aber ein gesellschaftskritisches Thema herrlich innovativ in Szene gesetzt. Wenn die weißen Bälle von links nach rechts fliegen, vergeht die Zeit wie im Flug und der Zuseher bleibt stets am Ball. Stete Aufmerksamkeit ist den Schauspielerinnen somit garantiert.
Das Publikum bleibt aber ohnehin nicht unbeteiligt. Vor Spielbeginn kann man gegen den Einsatz von wenigen Euros auf seine Favoritin wetten und beim finalen Match kann ein einzelner Mutiger den kollektiven Wetteinsatz – immerhin 84 €- sogar verdoppeln. Eine geniale Idee! Doch das Publikum besteht den Test und lässt sich nicht zum Spielen verleiten-  der Schuldenperformance zum Trotz!

Geidorf´s Eleven. Eine Schuldenperformance.
Für weitere Informationen hier klicken!

 

 

 

 

 

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