Puppenspieler der Revolution

Im Schauspielhaus Graz feierte unter der Regie von Jan-Christoph Gockel „Der Auftrag: Dantons Tod“ Premiere. Mit Texten von Georg Büchner und Heiner Müller als Vorlage, wird eine Diskussion im Zeichen der Revolution angezettelt, die nachhaltig in den Ohren dröhnt.

Im Fokus sind zwei Autoren, die sich auf verschiedene Art und Weise mit dem Thema Revolution auseinandersetzten und jetzt als Goldgrube fungieren, wenn im HAUS 1 ein Stück Geschichte verhandelt wird: Zum einen Georg Büchner, der mit seinem Werk ,,Dantons Tod“ einen verbalen Schlagabtausch zwischen den beiden Schlüsselfiguren Danton und Robespierre initiierte und die verschiedenen politischen Denkweisen und somit auch die Konflikte der Menschen während der Französischen Revolution thematisierte. Zum anderen Heiner Müller, der mit ,,Der Auftrag“ das Scheitern dreier Abgesandter skizzierte, deren Anliegen es war, auf Jamaika die Revolution zu zünden, um so einen Hauch von Demokratie in die reine Luft der Karibik zu bringen. Inszeniert wurde das Ganze als Spiel im Spiel sozusagen. Danton und Robespierre in Paris, dargestellt von Puppen –  grandios gelenkt von Michael Pietsch und Raphael Muff. Doch fällt der Vorhang des kleinen Puppentheaters, heißt das nicht, das endlich Ruhe einkehrt.

,,Puppen sind wir von unbekannten Gewalten am Draht gezogen; nichts, nichts wir selbst!“

Die beiden Strippenzieher schlittern ohne Vorwarnung in den Erzählstrang von Debouisson ( Nestroypreiträgerin Julia Gräfner), Galloudec (Florian Köhler) und Sasportas (Komi Mizrajim Togbonou), die der Sklaverei im globalen Süden Einhalt gebieten wollen. Getreu dem Motto: Wir bringen den Menschen hier keine Theaterstücke, wir bringen ihnen Waffen, so macht man Revolution“, hinterlassen sie am Ende ein Schlachtfeld, das nicht mehr viele Möglichkeiten hat, außer sich vom Engel der Verzweiflung (Evamaria Salcher) heimsuchen zu lassen.

Mit dem Thema Revolution im Rücken wird abgerechnet – Die europäische Idee, wie die Welt zu agieren hat, wird in Frage gestellt. Die drei Träger der Revolution fallen in alte Muster zurück, scheitern an der Realität und müssen feststellen: ,,Das letzte Gesicht der Sklaverei haben wir noch nicht gesehen.“ Auch Gedanken zu Brücken in die Gegenwart werden zugelassen und ein gebrülltes: ,,Grab them by the pussy“, lässt darauf schließen, dass die amerikanische Politik, die lange Zeit als vermeintlicher Verfechter der ultimativen Freiheit gegolten hat, damit gemeint ist und unter Präsident Donald Trump, lang manifestierte Ideale, wohl oder übel neu erörtert werden. Ein dichtes Stück, bei dem es manchmal schwer fällt, den Wald vor lauter Bäumen noch ausfindig zu machen. Beginnt man zu graben, findet man unter den vielen bunten Schichten und den gut gestreuten humoristischen Sequenzen eine Frage, auf die es keine eindeutige Antwort gibt.

„Was ist das, was in uns hurt, lügt, stiehlt und mordet?“

Dennoch: Wenn zwei literarische Giganten fusioniert werden, ergibt das ein Stück, das schon alleine durch seine Wortgewalt getragen wird. Ergänzt man dies um ein Bühnenbild, das bis an die Grenzen – und ein Ensemble, das noch viel weiter geht, erhält man am Ende einen Abend, bei dem einen das Lachen manchmal im Halse stecken bleibt und die Erkenntnis, dass die Revolution viele Gesichter hat, aber vor allem nicht leicht zu ertragen ist.

Mehr Informationen über das Stück „Der Auftrag: Dantons Tod“ gibt es hier:

http://www.schauspielhaus-graz.com/play-detail/der-auftrag-dantons-tod

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