Beethoven und Schostakowitsch – Konzert für Menschenrechte

Am 6. März fand im Grazer Stefaniensaal unter der Leitung von Dirk Kaftan das 6. Orchesterkonzert des Musikvereins statt, das als Konzert für Menschenrechte tituliert und mit einer politisch motivierten Ansprache von Altbürgermeister Alfred Stingl begonnen wurde. Nach jenen einleitenden Worten, Zitaten und wohlklingenden Aufrufen zur Menschlichkeit folgte endlich der erste Teil des musikalischen Programms des Abends, die Aufführung von Beethovens Tripelkonzert in C-Dur, op. 56, mit dem Grazer Philharmonischen Orchester und dem Trio Maisky (Sascha Maisky an der Violine, Mischa Maisky am Violoncello und Lily Maisky am Klavier), das erneut vollends überzeugen konnte.

schosta_1

Trio Maisky (c) Musikverein Graz

Das schwierig zu spielende, da sehr leicht in befremdliche Klänge verführende Konzert wurde von dem Trio souverän und doch gefühlvoll vorgetragen und dabei von dem Orchester dezent und doch feurig begleitet, stets unter der von musikalischem Gespür zeugenden Leitung des sich in Hochform befindenden Dirigenten Kaftan. Spielerisch vollzog sich der Übergang des beginnenden Allegros über das berührend traurige Largo hin zum abschließenden Rondo, das von so viel geistreichem Geschmack, sinnlicher Freude und ernster Bejahung leidenschaftlichen Dranges zeugte, dass das Publikum gerührt und erfreut in die Pause gehen konnte, um dem angekündigten Höhepunkt des Abends zuzusteuern.

Schostakowitschs 7. Symphonie in C-Dur (op. 60), auch Leningrader Symphonie genannt, inmitten der Kriegswirren des Jahres 1941 uraufgeführt, dem Kampf gegen den Faschismus gewidmet und von kriegerisch affektiertem Pathos durchzogen, schien trotz seiner schwierig zugänglichen Tonalität und vieler langatmiger Passagen das Grazer Publikum zu hehrer Freude und stehenden Ovationen zu verführen, ganz dem Geschmack der am Beginn des Abends stehenden Rede des Altbürgermeisters entsprechend. Inwiefern jedoch ein zwar anspruchsvolles und durchaus gelungenes Werk, das sich gegen „den Feind“, also den Faschismus, wendet, sich gleichzeitig aber – zumindest zeitgenössisch propagandistisch – einem totalitären System und einem Diktator verschreibt, etwas an einem Konzertabend für Menschenrechte zu suchen hat, sei dem kritischen Geist eines jeden selbst überlassen.

Im Großen und Ganzen war es also ein geglückter Abend, der vor allem dadurch überzeugte, dass zwei große Werke als herrliche Interpretationen dargebracht wurden und hierdurch ein faszinierendes und berührendes Orchesterkonzert gelingen konnte, das erfreulich lange nachzuwirken imstande war.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s