Ein Abenteuer in den Abstieg – Du (Norma): Emotionsgeladen vom Beginn bis zum Schluss.

DU (Norma) erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die der Zuseher auf eine Reise durch ihr Leben und die damit verbundenen Höhen und Tiefen begleitet. Auf eine glückliche Kindheit folgt ein fataler Abstieg mit einem Ende, dass niemand erwartet. Regisseur Dominic Friedel widmet sich dem Werk von Philipp Löhle in einer österreichischen Erstaufführung im Grazer Schauspielhaus (HAUS ZWEI)

Das Stück beginnt – Benedikt Greiner und Pascal Goffin bitten das Publikum um ihre Mithilfe, „Uns fehlt da noch eine Kleinigkeit“, sagen sie mit einem Schmunzeln im Gesicht. Die Kleinigkeit entpuppt sich als überdimensionale Puppe, die ein wichtiger Bestandteil der Inszenierung ist. In DU (Norma) begleitet der Zuseher die Hauptfigur von der Geburt an, mit auf ihrem Weg durch das hürdenreiche Leben, dass ihr bevorsteht. Durch das „auf die Bühne heben“ der überdimensionalen Puppe, die Norma verkörpert, wird der Zuseher nicht nur Teil des Stückes, sondern auch ein Teil von Norma. Normas Geschichte lässt ihn nicht mehr kalt, es wird gelacht wenn Norma lacht, aber es wird auch gelitten, wenn Norma leidet. So ändert sich das Tempo im Stück, nach rasenden Jugendjahren voller Freude am 18. Geburtstag ihres Bruders Dirk, gespielt von Clemens Maria Riegler. Auf der Geburtstagsfeier wird Norma vergewaltigt und ihr Leben ändert sich schlagartig. Mobbing, Drogenkonsum, ein Autounfall, eine fälschliche HIV Diagnose und eine Schwangerschaft sind nur einige Schicksale die Norma erwartet. Das Leben von Norma hat sich verändert und so auch die Stimmung im Publikum. Das Lachen über die Witze zu Beginn ist verflogen in ein staunen und schweigen. Gespannt sitzt man vor einer Videoinstallation und verfolgt Normas neues Leben, das von Partys, Drogen und Männern bestimmt wird. Die Norma die der Zuseher zu Beginn kennenlernen durfte gibt es nicht mehr. Sie hat sich verändert und ist mittlerweile gefangen in einer Spirale aus Drogen und Alkohol. Flasche Freunde, lange Partys und eine Perspektivlosigkeit bestimmen ihren Alltag. Doch selbst in diesen Situationen bleibt noch Platz für einen Schmunzler, der auf der Tatsache beruht, dass Norma einen Euro weniger verdient als ihr männlicher Kollege, beim Flyern in einem Hühnerkostüm für Streusand. Aktuell und auf den Punkt ist die Geschichte von Norma, die Dominik Friedel beruhend auf Philipp Löhles Roman am Schauspielhaus Graz inszeniert hat. Es mag auf den Zuseher zunächst befremdlich wirken und unvorstellbar sein, doch im Grunde hat jeder schon einmal ein Glas zu viel getrunken auf einer Party oder sich in den falschen verliebt. Die Geschichte von Norma, spiegelt sich daher stellenweise in uns allen wieder und stellt zwar extreme Situationen dar, aber schafft zugleich auch ein Bewusstsein für solche. Und auch wenn der Schluss an Pretty Women erinnert, Sarah Sophia Meyer stellt ausdruckstark mit ihrem Monolog über Dankbarkeit fest, dass der Dank und der Verdienst für etwas immer bei einem selber zu finden ist. Hingehen und mitfühlen. DU (Norma) eine Geschichte über eine junge Frau, verpackt in einer mitreißenden Inszenierung die zum Denken anregt.

Mehr Infos unter:

http://www.schauspielhaus-graz.com/play-detail/du-norma

Einen kleinen Vorgeschmack gibt es hier: https://www.youtube.com/watch?v=nyPPGVuXNk0

Foto: (c) Lupi Spuma

 

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