3. Liederabend (Musikverein Graz)

Ein Liederabend mit Weltstar Piotr Beczala und Helmut Deutsch am Flügel ging am Samstagabend im Grazer Musikverein mit standing ovations zu Ende. Eine Rezension zum Konzert.

Piotr

Piotr Beczala (credits go to Johannes Ifkovits)

In der Kleinen Zeitung schrieb Beate Frake in ihrer Rezension zum dritten Liederabend des Musikvereins Graz: „Klang Beczalas prächtiger Tenor in ‚Dichterliebe‘ anfangs noch etwas gepresst – eine kleine Indisposition mochte auch der Grund für kaum merkbare Anspannung des Sängers sein -, erschien der Zyklus doch durchgeformt, präzise artikuliert und mit steigender Dramatik.“ Damit hat Frake das Wesentliche zur Sprache gebracht, denn „gepresst“ klang Beczalas sonst so große Tenorstimme in der ersten Hälfte des Liederabends tatsächlich. Doch gab es dafür einen Grund: So gab Beczala im Anschluss an das Konzert bekannt, er hätte unter dem Einfluss von Antibiotika gesungen. Wie Frake allerdings auch schreibt, hat Beczala sich gesteigert: Sowohl innerhalb des Zyklus als auch innerhalb des Konzerts im Allgemeinen. Die zweite Konzerthälfte mit polnischen, tschechischen und russischen Liedern von Mieczyslaw Karlowicz, Antonín Dvorák und Sergej Rachmaninov bestritt der gebürtige Pole Beczala mit mehr Schwung und Überzeugungskraft als noch in der „Dichterliebe“ der ersten Hälfte. Aber auch im Schumann’schen Zyklus gab es Höhepunkte: Vor allem die zarten leisen Lieder wie das berühmte Eröffnungslied „Im wunderschönen Mai“ oder „Hör‘ ich das Liedchen klingen“ brachte Beczala mit großem Einfühlungsvermögen hervor. In „Ich grolle nicht“ hingegen gelang Beczala alles, nur kein Grollen. Auch Helmut Deutsch wirkte gerade bei diesem Lied in der Begleitung sehr fade. Jedoch nicht immer war sein Spiel uninspiriert. In Lied Nr. 13 „Ich hab‘ im Traum geweinet“ entschied er sich dazu, Beczala die erste Strophe unbegleitet vortragen zu lassen. Der Effekt gab ihm für diese doch sehr eigenwillige Abweichung von der Partitur recht!

Alles in allem hat der Abend große Unterhaltung geboten. Man darf hoffen, dass Beczala uns auch künftig in Graz beehren wird!

An dieser Stelle sei außerdem auf die heute präsentierte Saison 2017/18 des Grazer Musikvereins verwiesen. Wieder finden sich spannende Liederabende im Programm, u.a. mit Simon Keenlyside oder René Pape: http://www.musikverein-graz.at/konzerte/

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