Frühjahrsputz und Hausmannskost

Das Theater im Bahnhof gastierte mit der Produktion „Aufräumen. Eine Ausstellungsperformance“ im Forum Stadtpark – im Zentrum stets die Frage, wo wir in puncto Gleichberechtigung stehen. Eine deftige Bestandsaufnahme.

Im Hintergrund hängen drei Bilder an der Wand – lächelnd  und mit einem Schnitzel in der Hand blicken Gabriela Hiti, Pia und Johanna Hierzegger herab – allesamt nackt. Als die echten Darstellerinnen den Raum betreten und mit den Worten „Wir könnten mal was über Feminismus machen, weil wir drei Frauen sind,“ in den Abend starten, kann man schon erahnen, dass dort Salz gestreut wird, wo die Wunden liegen. Als Schwester im Geiste hält demzufolge Johanna Dohnal her, die als SPÖ Mitglied im Eilschritt den Feminismus in Österreich voranpeitschte und als erste Frauenministerin in den 90ern längst überfälliges Holz hackte. Während Dohnals Leben also mittels Anekdoten ihrer Weggefährten und solcher, die ihr im Weg stehen mussten, in die Mitte geholt wird, trapieren die Akteurinnen Zutaten auf dem Boden. Mehl, Eier und Brösel – ein Schelm, wer an Schnitzel denkt.

Im Laufe des Abends werden demzufolge dicke Bretter gebohrt: Der einzige männliche Mitarbeiter im Frauenministerium findet nicht, dass Dohnal gute Reden hält. Diese baut sich selbst hier und da ein und schildert ihre Perspektive. Der Pressesprecher sah sie im Büro nie jausnen, Bruno Kreisky meldet sich zu Wort und auch die SPÖ als Ganzes, glaubt eine Meinung über „die Dohnal“ zu haben. Es wird viel geredet, denn Johanna Dohnal hat viel geschafft. Doch die Tatsache, dass wir  immer noch einen steinigen Weg vor uns haben, kommt ohne große Worte aus. Zu müde ist man, um darüber zu verhandeln.

Johannes Gellner

(c) Johannes Gellner

Getreu dem Motto „Erst lachen, dann nachdenken“ bahnen sich die Darstellerinnen geschickt und mit feiner Recherchearbeit im Rücken ihren Weg durch ein bewegtes Frauenleben, das aushalten musste, was Feminismus in einer patriarchalen Gesellschaft eben aushalten muss. „Die Gleichberechtigung ist mein Koralmtunnel“, sagen sie. Ein Weg dessen Ziel nicht absehbar ist, meinen sie. Dass das Warten Stillstand ist, geben die Drei den Zuschauern noch mit auf den Weg. Warten will hier keine. Zum Abschluss wird Pia Hierzegger in ein Schnitzel verwandelt – Im echten Leben muss jedoch noch viel paniert werden, bevor Gleichberechtigung endlich Einzug hält.

Mehr Informationen über das Stück sowie das Theater im Bahnhof gibt es HIER.

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