„Tu alles, aber sag Ihm nicht, dass du ihn liebst.“

Die Mitte der Welt, ein Film über die erste große Liebe, Gefühle, Schmerz und die eigenen Ängste.

Die Mitte der Welt“ erzählt die Geschichte von Phil, einem Jungen, der mit seiner Zwillingschwester Dianne und deren Mutter Glass in dem Haus der Großtante mit dem Namen Villa Visible, wohnt. Phil beschreibt sich selbst, als „ein ganz normales Landei, vielleicht ein bisschen schwuler als andere, aber sonst Standardausstattung“. Doch alles ändert sich am ersten Schultag nach den Ferien, als der Neue – Nicholas in die Klasse kommt.

„Lasst euch berühren“, sagt Jakob M. Erwa bevor der Film losgeht. Und berührt hat die Geschichte von Phil (Louis Hofmann), der in den Sommerferien drei Wochen in einem Camp war und als er wieder nach Hause kommt, nichts mehr so vorfindet, wie es vor seiner Abreise war. Ein Sturm wütete und hat für Zerstörung gesorgt, aber nicht nur die Landschaft wurde zerstört sondern auch Phils Familie. Seine Zwillingschwester Dianne (Ada Philine Stappenbeck) und deren Mutter Glass (Sabine Timoteo), reden kein Wort mehr miteinander und Phil steht außen vor. Nicht genug Probleme mit den Sorgen zuhause, erwischt es Phil am ersten Schultag im neuen Jahr eiskalt. Er verliebt sich in den Neuen, Nicholas, gespielt von Jannik Schürmann. Den, mit den schönen blauen Augen, die einen dahinschmelzen lassen wenn er einen ansieht. Eine wilde Romanze mit viel Sex und einer Menge Problemen beginnt zwischen den beiden Jungen. Dabei scheint alles, zumindest am Anfang, doch so einfach zu sein. Doch die unbeschwerte leichte Zeit ist schnell vorbei, als Phil seine beste Freundin Kat (Svenja Jung), die, die immer schon seine beste Freundin war und auch immer sein wird, zumindest war es so gedacht, mit Nicholas erwischt. Phils Welt löst sich in Scherben auf, verzweifelt, todtraurig und ein gebrochenes Herz veranlassen ihn dazu, sich bei Tereza (Inka Friedrich) und Pasquale (Nina Proll), einem lesbischen Pärchen die schon immer zur „Familie“ gehörten und stets zur Hilfe eilten, zu verkriechen. Denn Glass seine Mutter ist anders. Glass kommt aus Amerika und kam als sie mit Phil und Dianne schwanger war zu ihrer Tante. Sie stach schon immer in dem kleinen Ort hervor. Eine Frau, zwei Kinder, kein Vater, aber regelmäßig andere Männer im Haus. Glass ist keine typische Mutter, die bäckt und die Kinder von der Schule abholt, aber sie ist die Mutter von Phil und Dianne. Eine Frau die stellenweise mit ihrem eigenen Leben überfordert scheint, doch mit dem Tischler Michael (Sascha Alexander Grensack) endlich jemanden in ihr Leben lässt, der für sie da ist und auch bleibt. Dianne hingegen die schon früh die Tatsache, dass sie keinen Vater hatten verdrängte und auch irgendwann nicht mehr an die neuen Partner ihrer Mutter glaubte, verlor auch mit der Zeit den Glauben an den Vater. Anders als Phil, der nach all den Turbolenzen und der Trennung von Nic in ein neues Abenteuer aufbricht. Eine Reise nach Amerika, auf der er ihn vielleicht findet. Den Vater den er nie kannte, aber immer ein Stückchen weit vermisst hat. Phil bricht auf, doch eines wird ihm beim Abschied klar, Tereza sagte ihm immer: „Das Leben ist wie ein großes Haus mit vielen Zimmern. Du kannst deine Angst nehmen und in einem Zimmer verschließen, doch verliere nie den Schlüssel zu diesem Zimmer, denn eines Tages wirst du ihn wieder brauchen und das Zimmer aufschließen und in ein neues schöneres Zimmer gelangen.“  Die Angst mag ein ständiger Begleiter im Leben sein, den man allzu gerne wegsperren und verschließen möchte, doch irgendwann muss man sich ihr stellen…

Die Mitte der Welt mag für jeden wo anders liegen, doch im Grunde liegt sie in uns allen. Ein Film, der die Geschichte von Phil und seiner Familie, dem erwachsen werden und dem Schmerz der ersten großen Liebe erzählt, untermalt mit poppiger Musik und bunten Bildern, die den Film hervorheben. Teilweise schwere Kost und viel Sex, dennoch ein hervorragender Film, den man gesehen haben muss. Egal, ob schwul, hetero, jung oder alt, Single oder vergeben, mit Familie oder ohne. Jakob M. Erwa beweist mit diesem Film sein Feingefühl und bringt dem Zuseher die Mitte der Welt ein kleines Stückchen weit näher und dadurch den Zuseher ein kleines Stückchen näher zu sich selbst. Ansehen und die Mitte der Welt finden.

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