Zwei auf einen Streich

Mit „Der Zwerg | Der Gefangene“ verbindet die Oper Graz zwei Einakter zu einer Aufführung.

Auf den ersten Blick haben die beiden Opern von Alexander Zemlinsky und Luigi Dallapiccola wenig gemein. Knapp dreißig Jahre trennen die beiden Stücke. Doch im Laufe der Vorstellung wird klar, es geht um Ausgrenzung aus der Gesellschaft und die mit ihr verbundenen Leiden, die in beiden Fällen ein tragisches Ende nehmen.

Der achtzehnte Geburtstag der Infantin Donna Clara (gespielt von Tatjana Miyus) wird prächtig gefeiert, sie erhält Geschenke aus aller Welt: eine goldene Rose mit Dornen aus Edelstein vom Papst, ein Kostüm aus tausend Perlen vom König und zwei prächtige Pferde vom Kaiser. Doch das aufregendste Geschenk ist vom Sultan: ein hässlicher Zwerg (Aleš Briscein), der glaubt ein gutaussehender Ritter zu sein, hat er sich doch noch nie im Spiegel gesehen. Er deutet das Lächeln seiner Gegenüber stets als freundliche Geste der Wertschätzung.

Sofort verliebt sich der Zwerg in die Infantin, schenkt sie ihm doch eine weiße Rose beim Tanz. Er malt sich die gemeinsame Zukunft aus, sie hingegen verspottet seine Träume und befiehlt der Freundin Githa, ihm zu sagen, dass er hässlich ist. Diese traut sich jedoch nicht. Am Ende holt den Zwerg sein Schicksal ein: er sieht sich selbst im Spiegel, kann seinen Augen kaum trauen und stirbt.

Die Musik Zemlinskys spiegelt perfekt die pompöse, jedoch einsame Welt der jungen Infantin wider. Das Stück spielt frei nach Oscar Wildes „Der Geburtstag der Infantin“ und wurde 1922 in Köln uraufgeführt.

(c) Oper Graz

Die Mutter besucht ihren Sohn, ein Gefangener der spanischen Inquisition. Sie hat die Angst, ihn zum letzten Mal zu sehen, da sie immerzu von König Philipp II. träumt, der sich in den Tod verwandelt. Der Gefangene hat jedoch Hoffnung, er erzählt vom Kerkermeister, der ihn „Bruder“ nennt.

Als der Gefangene wieder alleine ist, traut er seinen Augen kaum: die Tür zum Verlies is offen. Hoffnungsvoll folgt er dem Lichtstreifen, der ihn in die Freiheit führen soll. Empfangen wird er von einem Riesen: dem Großinquisitor selbst. Der Gefangene erkennt, dass die Hoffnung die schlimmste Folter war.

Begleitet wird das Stück von den dunklen Klängen Dallapiccola, die zuletzt auch Aufschluss darüber geben, dass die Hoffnung des Gefangenen ihm nicht außer den Tod gebracht hat.

(c) Oper Graz

Wer sich auf die aufregenden Bühnenbilder und pompösen Kostüme freut, für die die Grazer Oper bekannt ist, wird auf den ersten Blick enttäuscht sein über den ungewohnten Minimalismus dieser Aufführung. Die Geschichten sind jedoch gekonnt miteinander verknüpft, so findet sich jeweils ein Zwerg und ein Gefangener auf der Bühne des anderen Stückes und auch Kostüme und Requisiten ziehen sich wie ein roter Faden durch beide Inszenierungen.

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