Migrationsvordergrund – Rollentausch

Am Sonntag, dem 02.04., wurde der Film „Die Migrantigen“ im UCI Annenhofkino Graz vorgeführt. Zu Gast waren außerdem auch der Produzent Arash T. Riahi, sein Bruder, der Regisseur, Arman T. Riahi und einige Schauspieler.

Über das Migrantenthema wird nicht gelacht. Da wurde das Publikum bei der Vorführung von „Die Migrantigen“ aber eines Besseren belehrt. Der Film behandelt die Migrationsprobleme einmal von einer ganz anderen Seite. Der Regisseur hat Recht, wenn er den Film eine intelligente Komödie nennt. Sie ist nicht nur witzig, sondern dazu noch in ganz viel Selbstironie verpackt. Komödie, weil die Figuren sich, trotz kritischem Thema, nicht so ernst nehmen. Intelligent, weil sie eine wichtige Message enthält. Der Film handelt von zwei integrierten Wienern mit Migrationshintergrund, Benny und Marko. Der eine versucht seine Schauspielkarriere anzukurbeln, um nicht immer auf den Nebenrollen sitzen zu bleiben. Während der andere sich als selbstständiger Unternehmer immer mehr Schulden anhäuft. Beide sind frustriert, weil sie durchs Raster fallen, da die Nachteile ihrer Herkunft trotz Integration immer noch präsent sind. Als ein Kamerateam für eine Dokumentation über Migranten durch einen Wiener Wohnbezirk zieht, hoffen sie, Geld aus dieser Geschichte rauszuschlagen. Die Ironie dahinter ist, dass die integrierten Männer ihren Migrationshintergrund in den Vordergrund stellen müssen, um von der Gesellschaft wahrgenommen zu werden.

Die Migrantigen

© Golden Girls Film

Da die Protagonisten nicht wissen, wie sich ein typischer Migrant verhält, tauchen sie ins Straßenmileu ein. Ab diesem Punkt wird die ganze Palette an Klischees herausgeholt. Vom gebrochenen Deutsch mit ausländischem Akzent, hin zur Gangstermusik, bis zu den Klamotten und Sprüchen ist alles enthalten. Um in eine klischeehafte Migrantenrolle schlüpfen zu können, orientieren sich Marko und Benny an einem „authentischen“ Straßenjungen. Er erzählt ihnen von dem harten Ghetto-Leben, Geldwäsche und Mafiageschäften. Die selbstironischen Tendenzen kommen zum Vorschein als klar wird, dass der Straßenjunge sie in Wirklichkeit nur auf den Arm nimmt. Mit den gewonnen, falschen Informationen stellen sie sich nun vor die Kamera. Der doppelte Schwindel wird ihnen ohne kritisches Hinterfragen abgekauft. Eine Medienkritik kündigt sich, wie hier, zwar ab und zu an, ist aber nicht der Schwerpunkt für die Filmemacher. Als der Text zum Film geschrieben wurde, war der Aufruhr um Fakenews und alternative Fakten noch nicht im Gang. Vielmehr hatten die Produzenten das Anliegen, aufzuzeigen, dass Filmbesetzungen willkürlich gewählt werden. Sie kritisieren, dass ein Araber zum Beispiel von einem Tschetschenen gespielt wird. Dieses Detail bemerken die meisten Menschen zwar nicht, doch jene, die es wissen, stören sich daran. In „die Migrantigen“ wird die typische Rollenbesetzung einfach umgedreht. Als Protagonisten werden Akteure gewählt, die sonst die Taxifahrer-Rollen zugeteilt bekommen würden, während Josef Hader und Dirk Stermann in diesem Film die Nebenrollen besetzen.

Die Migrantigen 2

© Golden Girls Film

Das Verhalten von Markos und Bennys vor der Kamera rückt das gesamte Grätzl ins schlechte Licht. Während die meisten Bewohner des Viertels hart arbeiten, würden die Medien immer nur die Kriminellen filmen, beschweren sich die Anrainer. Hier fängt die moralische Komponente an, doch selbst an diesem Zeitpunkt verlieren die Figuren ihren Humor nicht.

Die frische und abwechslungsreiche Art sich an das Thema heranzuwagen, macht den Kinobesuch zu einem unterhaltsamen, aber dennoch tiefgründigen Erlebnis. Der Film ist ab 09.06.2017 in den Grazer Kinos zu sehen und sehr empfehlenswert.

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